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wicklungsreihen bestehenden Kausalzusammenhanges nicht ab-weisen läfst. Auf der einen Seite sammeln sich ungeheureReichtümer durch das Aufblühen der Industrie; auf der an-dern Seite nützt der Masse des Volkes der erworbene Reich-tum wenig. Vielmehr wird die Lebenshaltung der Arbeiter durchdas Aufkommen der freien Konkurrenz herabgedrückt. Aufder einen Seite Überproduktion, auf der andern Mangel. Hierwerden 100000 Hemden zu viel gemacht, dort sind ebensovielRücken unbekleidet. Die Nation gleicht dem Midas der Fabel,dem die Götter eine unendliche Fülle Goldes gewährt hatten,und der bei seinen Reichtümern verhungerte. In ihr en An-fängen noch verhüllt, beginnt mehr und mehr eine Entwicklung,welche die Nation in zwei Klassen teilt: in Arm und Reich.Noch bestehen zwischen beiden zahlreiche Mittelstände, aberdiese verbindende Brücke scheint täglich dünner zu werden.Jeder einzelne, welcher herabsinkt, erschwert die Lage allerderer, welche sich noch über ihm halten, indem er sie nunmehrmit geringeren Ansprüchen auf dem Arbeitsmarkt unterbietet.„Pauperismus ", d. h. Massenelend, wird ein dauernder unddurch keines der angewendeten Mittel zu beseitigender Schadederjenigen Länder, welche an der bezeichneten Entwicklungteil genommen haben. An den beiden Polen der Gesellschaftsammelt sich Reichtum und Hunger gleich den entgegen-gesetzten Elektricitäten und immer dringender wird die Ge-fahr, dafs sie sich in einem furchtbaren, all vernichtendenBlitzstrahl vereinigen.
Es ist nicht Carlyles Verdienst, auf das Ungesunde derbestehenden Eigentumsverteilung zuerst aufmerksam gemachtzu haben. Manche schon hatten vor ihm sich in ähnlichemSinne ausgesprochen und Mafsregeln zum Schutze und zurHebung der arbeitenden Klassen gefordert. Aber keiner warvon der Wichtigkeit dieser Frage so durchdrungen gewesen,