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1 (1890)
Entstehung
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nigfachsten Weise verbunden. Es ist nun ein Zeichen dergesellschaftlichen Auflösung, dafs der individuelle Egoismusdie dauernden Verhältnisse, welche die Menschen verknüpfen,in kündbare zu verwandeln sucht.Lebenslängliche Ehen",sagt Carlyle,wie weit vorzüglicher wären jährliche und mo-natliche für den Nomaden oder Affen" L

Von diesem Standpunkt aus stellt Carlyle die Hörig-keitsverhältnisse früherer Zeiten hoch, weil hier das Interessedes Herrn selbst eine Grenze gezogen hätte, über die hinauser den Arbeiter verständigerweise nicht habe hinabdrückenkönnen. Wenn schon durch einen metallenen Halsring, soist doch der Sklave mit irgend jemandem in der Gesellschaftdauernd verbunden. Jetzt ist der Sklave längstemanci-piert", aber die Freiheit, wenn sie Freiheit zu verhungernwird, ist nicht eben göttlich. Man kann in gewissem Sinnesagen, die Bewegungen unseres Arbeiterstandes bedeuten imGrunde nichts anderes, als dafser zum Sklaven empor-gehoben zu werden wünscht". Übertreibungen im Ausdruck,wie die soeben angeführte, hat Carlyle im Interesse der Ein-dringlichkeit seiner Worte stets geliebt. Für jeden, der ihnkennt, ist es selbstverständlich, dafs ihm bei Aussprüchen wiediesen, reaktionäre Tendenzen durchaus ferne liegen. Hatdoch keiner heftiger als er gegen solche Bestrebungen aufallen Gebieten des menschlichen Daseins, dem der Politikwie dem des Glaubens, seine Stimme erhoben. Denn inner-lich unwahr wie äufserlich erfolglos erschien ihm jeder Ver-such der Rückführung vergangener Verhältnisse.Der Ver-such, die Zukunft an die Vergangenheit zu ketten durchewige Glaubenssätze, ewige Herrschaftsverhältnisse u. s. w. und

1 Vergl. Past and Present, Ausgabe von Kretzselnnar, S. 202. Inseiner Stellung zur Ehe begegnet sieb Carlyle mit den Positivisten. Vergl.Kapitel V dieser Arbeit.