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zur Vorsehung zu sagen, bis hierher und nicht weiter, ist einganz sinnloser Versuch."
Dort dagegen, wo noch ein dauerndes Verhältnis be-stand, war Carlyle für seine Erhaltung. Hieraus erklärt sichauch seine Stellung zur Sklavenfrage, welche insbesonderewährend des amerikanischen Bürgerkrieges alle Gemüter be-schäftigte. Carlyle hat durch seinen Aufsatz „Nigger-question",sowie durch eine Reihe von Stellen, die in seinen sonstigenSchriften zerstreut sind, seiner Zeit grofsen Anstois gegeben.Selbst seine Anhänger wurden an ihm zweifelhaft und ausge-sprochene Freunde wagen ihn noch heute nicht zu verteidigen \
Carlyles Vorliebe für drastischen Ausdruck, verbundenmit einer tiefen, inneren Mifsstimmung über seine Zeit, machtihn in jenem Aufsatz zu Worten greifen, die ihn leicht alseinen Verteidiger herzloser Tyrannei erscheinen lassen. WerCarlyle, dessen „Schwermut ja ein Übermafs der Sympathie 2 "war, kennt, wird solche Ausdrücke als Gegenwirkung dersentimentalen Überschwenglichkeit erklären, welche geradedieser Frage mehr als anderer sich bemächtigt hatte. ImGrunde hat die Geschichte Carlyle recht gegeben, wenn erbehauptete, dafs der schwarze Arbeiter für den freien Arbeits-vertrag nicht reif sei. Ungezwungen, meint er, werde ernimmer arbeiten, und doch sei Arbeit für ihn, wie für jedenMenschen das wichtigste Mittel der Erziehung. Selbstver-ständlich gehörte sein Mitleid dem mifshandelten Negerskla-ven nicht minder als dem verhungernden Lancashireweber.Aber er wollte nicht, dafs die Bande, die jenen mit der mensch-lichen Gesellschaft verknüpften, ohne anderweitigen Ersatzzerschnitten würden, umsomehr, als er sah, dafs „der weifse
1 Vergl. Flügel, Thomas Carlyles religiöse und sittliche EntwicklungS. 93. Leipzig 1888.