und Leiden mutig auf sich genommen, so lange ihnen derZweck ihres Ringens feststand. Nun aber der letztere frag-lich geworden, wird des Lebens Not gerade den denkenden,hoch organisierten Menschen am meisten bedrücken. Denndas schlimmste ist nicht das äufsere Elend, sondern der Ver-lust der Kraft, jenes zu überwinden: „To be irregulated —to be isolated" nennt es Carlyle, d. h. ohne innere undäufsere Formen des Lebens zu sein.
„Das Leben war für die Menschen niemals ein Maientanz.Zu allen Zeiten war das Loos der zu harter Arbeit gebore-nen stummen Millionen durch mannigfache Leiden, Ungerech-tigkeiten, schwere Lasten, vermeidliche und unvermeidliche,entstellt. Es war durchaus kein Spiel, sondern harte Arbeit,welche die Muskeln und das Herz wund machte. Als Leib-eigene, villani, bordarii, sochemanni, ja sogar als Herzöge,Grafen und Könige wurden die Menschen oft ihres Lebefisüberdrüssig gemacht und mufsten im Schweifs ihrer Stirn undihrer Seele sagen: „Sehet, es ist kein Spiel, es ist grimmigerErnst und unser Rücken kann es nicht mehr ertragen!" Werweifs nicht, welche langfortgesetzten barbarischen und unerträg-lichen Ungerechtigkeiten verübt wurden, bis die Herzen zumWahnsinn getrieben, ausriefen: „Eu Sachsen, nimith euersachses, Ihr Sachsen, ergreift eure Saxe!"
„Und dennoch wage ich zu glauben, dafs zu keiner Zeitseit den Anfängen der Gesellschaft das Los dieser selbenstummen Millionen von Arbeitern so ganz unerträglich war,wie es in den Tagen ist, die jetzt über uns dahingehen. Esist nicht das Sterben, ja nicht einmal das vor Hunger Ster-ben, was den Menschen elend macht. Elend ist es, erbärm-lich leben zu müssen, ohne zu wissen weshalb; an Herz undSeele müde und matt und doch vereinzelt und von einemkalten allgemeinen Laissez faire umgürtet zu sein; das ganze