— 222 —
„Ein rachsüchtiger Geist des Aufruhrs gegen die oberenKlassen, abnehmender Respekt vor den Befehlen ihrer zeit-lichen Vorgesetzten, abnehmender Glaube an die Lehren ihrergeistlichen Vorgesetzten wird mein und mehr unter den unterenKlassen allgemein. Man mag solchen Geist tadeln, ja be-strafen; aber alle Menschen müssen ihn als eine Thatsacheanerkennen, die traurig und, wenn nicht verändert, verhäng-nisvoll sein wird. Aus unteren Klassen, die in solcher Weisemit den oberen verbunden sind, setzen sich nicht glücklicheNationen zusammen! Von allem Elend unter dem sie leiden,ist das bitterste und schwerste die unerträgliche Überzeugungder unteren Klassen, dafs ihr Loos ungerecht sei, nicht auf Recht,ja nicht einmal auf Notwendigkeit und Macht beruhe, dafs esanders sein solle und anders sein könne" (vgl. Chartismus S. 26).Der soeben bezeichnete Gegensatz beruht darauf, dafs die obernKlassen tatsächlich aufgehört haben, den Beruf, zu dem sieda sind, zu erfüllen: nämlich den der Leitung und Beherr-schung der unteren, wobei man daran zu denken hat, dafsunter dem Ausdruck der Beherrschung vor allen von Carlyledie geistige, durch Kirche und Schriftsteller geübte verstan-den wird. „Der gellende, unartikulierte Schrei der Massen —ähnlich denen des Schmerzes und der Wut des stummenTieres — enthält für das Ohr des Weisen die Bitte: führemich, regiere mich; ich bin unvernünftig und elend undkann nicht mich selbst führen."
Aufgehört haben einerseits die durch die Kirche vermit-telten Ideen, das innere Leben der Menge zu beherrschen.Eine solche Entwicklung bildet die erste Vorbedingung einersocialrevolutionären Bewegung und wird früher oder spätermit Notwendigkeit überall dort statt haben, wo die oberenKlassen bereits irreligiös geworden sind. In keinem LandeEuropas hat die Religion so sehr an Macht über den gröfseren