Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
243
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altruistische Thun den Glauben an aufserindividuelle Wertevoraussetzt und eben in der Annahme solcher Werte dasunbewufste Zugeständnis liegt, dafs das der Sinnenwelt unge-hörige Individuum und damit diese selbst nicht einen unbe-dingten, sondern nur einen relativen Mafsstab abgeben könne.In Formen, wie sie der Denkweise ihrer Zeit angemessenwaren, hatten die Religionen die idealistische Grundanschauunggefafst. Dann als diese Formen veralteten, hatte man ver-sucht, sie, die gar nicht dem Gebiete des Denkens entstammten,gedankenmäfsig zu begründen, womöglich zu beweisen. Dieswar das Bestreben der spekulativen Metaphysik, jenerchro-nischen Krankheit des menschlichen Geistes". Zunächst wares eine konstruktive Spekulation gewesen, welche ein Theoremdes Universums auszusinnen und durchzuführen sich bemühte: unbewufst noch unter dem Einflüsse der überkommenenreligiösen Vorstellungen. Bald aber ward man inne, wie ver-geblich jene Versuche seien; das mit Mühe aufgebaute undkunstvoll gestützte Theorem entsprach bald nicht mehr derstets sich erweiternden Welt der Erscheinungen. Hiermitsetzt die skeptische Philosophie ein, deren Werk das Nieder-reifsen der überkommenen religiösen und sittlichen Vor-stellungen ist. Sievon Pyrrho bis auf Hiune und die un-zähligen jüngeren Humes" leitet eine negative Periode ein,welche zunächst für die geistige, sodann für die sociale Orga-nisation Auflösung bedeutet. Ihre Vollendung ist, wie obengezeigt, die materialistische und Militärische Weltanschauung.

In jener neuen von Deutschland ausgehenden Bewegungist aber die ganze vorhergehende Spekulation, sowohl dienoch konstruktive als die ihr folgende destruktive innerlichüberwunden, und damit jener negativen Periode des mensch-lichen Denkens ein Ziel gesetzt. Der Grund davon ist der,

dafs sie die vorhergehende Philosophie nicht im einzelnen zu

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