Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
267
Einzelbild herunterladen
 

267

Von solchen Gedanken bewegt, konnte Carlyle kein fer-tiges Rezept einer socialen Reform bereit halten. Aber wiesehr er auch von der Schwäche des Einzelnen den Welt-geschicken gegenüber durchdrungen war, so hielt er es dochfür die Pflicht des Menschen, nicht die Hände in den Schofszu legen, sondern zu handeln. Jeder Fatalismus war ihmfern. So ist Carlyle denn durchaus nicht arm an Vorschlägensocial-politischer Natur.

Dasjenige, dessen wir bedürfen, was wir früher bis zueinem gewissen Grade besafsen und heute nicht mehr be-sitzen, ist dieOrganisation der Arbeit". Nachdem die Bandedurchschnitten sind, die den einen mit dem anderen ver-knüpften, steht der Mensch isoliert in einem Einzelkampfeums Dasein. Darum auf der einen Seite das Elend jenerführerlosen Millionen. Auf der anderen Seite aber jagen die,welche zur Führerschaft berufen wären, dem Schein des Ge-nusses, dem Gelde nach, nimmer des Glückes teilhaftig, wieviel Güter sie aufspeichern, und darum im Grunde so elendwie jene. Äufserlich nehmen sie die Stellen der Machthaberein; thatsächlich aber sind sie machtlos. Denn wie solltensie über jene Macht ausüben, mit denen sie nichts mehr ver-bindet? Dabei steht fest, dafs jene Methoden, welche bisherden Menschen mit dem Menschen verbanden, veraltet undendgültig unbrauchbar geworden sind, jeneHalsbandmetho-den", wie sie Carlyle nennt. Dieselben als unmöglich fest-gestellt zu haben, ist die Bedeixtung der Demokratie, welchedie harte, nicht zu unterdrückende Thatsache der Gegenwartist. Da nun hinfort kein Mensch mehr derHalsbandleib-eigene" eines andern sein kann, die Menschen aber dochnotwendig verbunden sein müssen, so müssen hierzu neueMethoden erfunden werden.Denn der Mensch ist ebenstets der geborene Leibeigene gewisser Menschen, der ge-