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1 (1890)
Entstehung
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diesem Standpunkt aus besteht die Krisis, die wir durch-machen, darin, dafs es sich heute um einen schweren undhochbedeutsamen Schritt in jener aufsteigenden Entwicklunghandelt, welche die Geschichte der Menschheit bisher dar-stellt. Stillstehen giebt es nicht; entweder Sturz oder Er-klimmen jener Höhe. Carlyle glaubt an das letztere,derPhönix" wird sich besser und schöner aus seiner Asche er-heben.

Hierin also liegt der Kernpunkt der socialen Frage;ihre einzig mögliche Lösung besteht darin, dafs der Indivi-dualismus der heute die meisten beherrscht, zurückgedrängtund die altruistische Motivationsweise unter den Menschenwieder mächtig werde. Heute jagt alles nach dem Gelde,und wer auf die Höhen der Gesellschaft hinaufklimmt, suchtdort Genul's statt vermehrter Arbeit. Dagegen sind in allengesunden Gesellschaftszuständen die Ehrenposten stets zu-gleich Posten der Schwierigkeit und der Gefahr. Carlyle istsich darüber klar, dafs eine Änderung der Zeitanschauungenauf diesem Gebiete Voraussetzung aller Reformen ist.Ichwürde es für überflüssig erachten, die Regierung um Heil-mittel anzugehen, wenn ich glaubte, dafs der Mammonismushinfort das erste Princip unserer Existenz bleiben müsse.Die Regierung kann viel thun, aber sie kann keineswegs allesthun. Die Regierung ist als der hervorragendste Gegenstand

in der Gesellschaft berufen, anzudeuten, was gethan werden

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soll und dieses Thun in vielen Beziehungen zu überwachen,zu fördern und zu befehligen. Die Regierung aber kann beiallem Wegweisen und Befehlen nichts thun, dem die Gesell-schaft radikal abgeneigt ist. Auf die Dauer ist jede Regie-rung das genaue Symbol ihres Volkes mit ihrer Weisheitund Unweisheit." Aussprüche, wie der eben angeführte, be-