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ist, dafs wir gestorben sind, ganz vollständig, und dafs wirauferstanden sind und jeder ein Leben bat, unser einzigesLeben nicht in dir oder mir, sondern ein gemeinsames Lebenin Ihm. Er wird uns dann die Liebe zu Gott und den Mit-menschen erfahren lassen."
In der That, wie bei Carlyle war auch bei Maurice dieantiindividualistische Grundanschauung der Mittelpunkt seinesDenkens. Sein Standpunkt ist dar Carlyles mit orthodoxerFärbung. Schon mit einundzwanzig Jahren bekämpfte Mau-rice als Student die Bentkamscke Nützlichkeitslehre in einervon ihm und einigen Kommilitonen herausgegebenen, kurz-lebigen Zeitschrift. Bald darauf verteidigte er seine An-schauungen gegen den damals noch durchaus unter seinesVaters und Benthanis Einflufse stehenden John Stuart Mill .Die jugendlichen Mitarbeiter der „Westminster Review", zudenen Mill wie Maurice gehörten, kamen damals in einerDebattiergesellschaft zusammen; zwischen den Torys undBenthamisten schob sich, wie Mill berichtet, Maurice alsdritte Partei ein — antiutilitarisch, antimaterialistisch, weil,auf den Boden des Christentums fufsend, andererseits dochdie bestehende Gesellschaft verdammend und gerade vonseinem christlichen Standpunkt aus radikaler Neuerer.
Mill schlug, wie seine Selbstbiographie zeigt, die geistigeBedeutung des Maurice und den von diesem auf sich geübtenEinflufs hoch an, während Maurice durch diese Debatten volks-wirtschaftlichen und socialen Interessen zugeführt, möglicher-weise bereits damals auf das Genossenschaftswesen aufmerksamgemacht wurde. War doch der genannte Verein ursprünglichvon Anhängern Bobert Owens gegründet, jenes frühen So-cialisten, welcher zuerst in die englischen Arbeitermassen denGenossenschaftsgedanken geworfen hatte.
Dennoch geht man nicht irre, wenn man annimmt, dafs