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Briefe 1 an Mrs. Rieh, „rühmt sich die Konkurrenz, der ein-zige beherrschende Beweggrund der menschlichen Wesen zusein. Die Vernunft erklärt, die schmerzlichste Erfahrung be-weist jedoch, dafs wo jene herrscht, sie die Gesellschaft zer-stört und jeden einzelnen feindlich gegen seinen Nachbarkehrt. Gut ist derjenige Arbeitgeber, welcher dem Principder Konkurrenz am wenigsten Einflufs in die Bestimmungseines Verhältnisses zu den Arbeitern gewährt." Besserung istdaher nur dann zu erwarten, wenn die Grundsätze des Christen-tums wieder anerkannt werden, wenn die Menschen, statt sichgegenseitig zu bekämpfen, wieder anfangen, sich zu helfen undeinander als Brüder zu fördern. „Unsere Interessen sind ge-meinsam und jeder voll Pflichten gegen den anderen", dieswar der Grundsatz, welchen die christlichen Socialisten demder Konkurrenz entgegenstellten. So sind die Lehren desSocialismus, wie ihn Maurice lehrte, nichts anderes als die derBibel: eine Kriegserklärung gegen die unchristliche Auffassungder menschlichen Gesellschaft, wie sie heute von den Weisenverkündet und von den Mächtigen geübt wird 3 .
Gedanken dieser Art brachte Maurice in den Predigtenzum Ausdruck, durch die er seit 1846 als Kaplan von Lin-colns Inn zu London viele der jungen Juristen der Korpora-tion tiefgehend beeinflufste. Thomas Hughes, damals Mit-glied derselben, erzählt, wie die Kirche erst leer gewesen sei,
1 Abgedruckt in dem interessanten Buche Richard Cobden parMme. S. Schwabe. Paris 1879.
2 Heute verknüpft sich die Vorstellung von Staatseinmischung mit
dem Wort Socialismus . Dies war nicht der Fall, als das Wort aufkam:man verstand damals darunter den Versuch, das Wirtschaftsleben auf IGrundlage der Association statt der individualistischen Konkurrenz zu •gestalten. Nach der heute angenommenen Terminologie wäre der Stand- jpunkt des Maurice daher nicht socialistiscli; er will Einschränkung des 1Systems der Konkurrenz durch sociale Motive, nicht staatlichen Eingriff.