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das ebenso sicherlich mit Politik und socialen Fragen zu thunhat, wie mit Lüge, Wollust und Trunkenheit". (Aus derPredigt des Bischofs von Wakefield vor dem Genossenschafts-kongrefs zu Dewsbury 1888.)
An diesem Ideal gemessen sinkt natürlich die heutigeGesellschaft zu äufserstem Unwert hinab. Das Christentumwar bisher, so sagen die Genossenschafter, ein „Sonntags-",nicht ein „Werktags-Christentum". Obgleich das Princip derSelbstverleugnung und der Einigung seit achtzehn Jahrhun-derten gepredigt wird, beruht doch die Gesellschaft nach wievor auf dem individuellen Kampfe ums Dasein, wenn der-selbe auch gemildert und in friedliche Formen gegossen ist.Ja fast dürfte es scheinen, als ob dieser Kampf in unseremJahrhundert wieder verschärfte Formen angenommen hätte.
Die allgemeine Konkurrenz also ist für die Genossen-schafter nichts weniger als die Grundlage, worauf, wie dieNationalökonomie annimmt, die menschliche Gesellschaft inZukunft beruhen wird. „Die Ratschläge der Nationalökonomie.seien nichts als organisierte Selbstsucht". JeneSchranken zwar,welche das alte Recht dem Individuum gezogen hatte, mul'stenfallen, aber nur deswegen, weil die in Zukunft zu errichtendensich von ihnen in doppelter Hinsicht unterscheiden müssen: siewerden nicht von Einzelnen und herrschenden Klassen zumSchutze ihrer Interessen errichtet werden, sondern vom Arbei-terstande d. h. vom Volke überhaupt zum allgemeinen Besten;aufserdem werden sie nicht auf dem Wege der Gesetzgebungherbeigeführt werden, sondern durch freiwillige Unternehmung,also auf Grund der moralischen Fortschritte der Menschen-natur. Hiernach bestimmt sich das Verhältnis der Genossen-schaftsbewegung zum heutigen Socialismus. Das eigene Ziel,so meinen die Genossenschafter, sei nicht weniger weit-gehend als das, „welches die grofsen Propheten des modernen