nicht durch Gewalt und nicht durch Gesetzgebung herbei-geführt werden kann, sondern nur durch innere Veränderungder Menschen, dafs also die sociale Frage im Grunde nichtpolitischer, sondern moralischer Natur ist. In zweiter Liniesteht folgender, auf die Genossenschaftsbewegung insbeson-dere bezügliche Satz, dafs wirkliche Erfolge nicht zu er-reichen seien, aufser durch Erfülltsein von der Idee, was dieErfahrung überall bewahrheitet. Insbesondere sind die schwie-rigeren Arten der genossenschaftlichen Unternehmung ohnedas undenkbar, aber selbst ein Konsumverein verdankt -wirk-lichen Aufschwung fast immer selbstloser Arbeit im Diensteder Idee. Als Folge beider Sätze, welche im genossenschaft-lichen Glaubenbekenntnis voran stehen, erscheint der hoheWert, welchen man auf Erziehung und Fortbildung derjüngeren Mitglieder legt, wofür die Vereine nicht geringeSummen ausgeben. Denn im Grunde hängt der Erfolg derBewegung von der Stärke und Ausbreitung ihrer Idee ab.
Selbstverständlich ist es, dafs die breiten Massen derden Genossenschaften angehörenden Arbeiter von diesen Ge-danken nicht durchweg in gleicher Stärke berührt sind. Er-leichtert man doch allen den Eintritt. Auch verlangt man vonkeinem der eintretenden Mitglieder ein Glaubensbekenntnis. Ja,im Widerspruche zu den eigenen Überzeugungen scheut mannicht egoistische Erwägungen anzurufen, um Proselyten zumachen. Dies beweist ein mir vorliegendes Flugblatt, welchesauf die Frage: „Warum bin ich Genossenschafter?" ganz uti-litarisch antwortet: 1. weil der, der hinter dem Ladentischesteht, mir dient und nicht einem andern, der mich betrügenwill; 2. weil ich nicht zulassen kann, dafs dieser andere aufmeine Kosten reich wird: 3. weil ich eine Dividende bekomme;4. weil ich die Bibliothek und das Lesezimmer benutzen,Vorlesungen hören, Feste, Spiele, Piknicke mitmachen darf