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und dadurch mein Leben heiterer wird. Gegenuber diesengewissermafsen exoterisehen Gründen wird erst in letzter Li-nie die esoterische Anschauung in das Feld geführt, dafs manGenossenschafter sei, um die Erlösung der Arbeiter von demDrucke des heutigen Gesellschaftssystems herbeizuführen.
Aber auch solche, welche rein aus Nützlichkeitsgründen denGenossenschaften beitreten, können doch dem Einflüsse der ge-nossenschaftlichen Gedanken sich nicht entziehen. Denn die Ge-nossenschaften haben ja nicht blofs gewerbliche, sondern auchgesellige Zwecke. Sie sind Gemeinschaften des Lebens, „frater-nitates" im mittelalterlichen Sinne mit gemeinsamen Unterhal-tungen, Festen etc. Dabei wirkt einer auf den andern ein.Von jenen alten bewährten Kämpfern, die noch auf christlich-socialem Boden stehen und das Salz der Bewegung bilden,breitet sich die genossenschaftliche Weltanschauung unter denMassen aus. Nirgends fehlen solche .Männer, besonders zahl-reich sind sie in Schottland und jenen Bergthälern um Roch-dale, wo die Wiege der Bewegung stand. Sie sind die Apostelihrer Idee. Durch ihren Einflufs haben die Zusammenkünfteder Genossenschafter jenen eigentümlichen häufig nahezu re-ligiösen Ton angenommen, welchen stets das Bewufstseineines gemeinsamen Glaubens einer Versammlung verleiht.Holyoake schreibt diesen Glauben zusammenfassend in der„Fortnightly Review" vom 1. August 1887: „Noch ist derTag nicht da. Wie Ephraim Jenkinson im Vicar von Wake-field sagt, ist die Welt noch in ihrer Kindheit. Die Genossen-schaftsbewegung ist aus dem Gefühle herausgeboren, dafs un-beschränkte Konkurrenz im besten Falle der sociale Kriegist. Obgleich der Krieg seine Eroberungen, seinen Pomp undseine Barden hat, seine stolzen Verbindungen und helden-haften Erinnerungen, auf seinem Wege steht doch der Mord.Menschlichkeit und Genufs wären Dinge, über die man er-