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1 (1890)
Entstehung
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379
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kleidet war. Für diejenigen, welche in der letzteren etwaszeitliches, den Fortschritten des Denkens verfallenes erblicken Ansichten, wie sie in Deutschland häufig und in England nicht selten sind erscheinen beide Männer als orthodox.

Stellt man sich aber auf orthodoxen Boden, so ist derGegensatz zwischen Maurice, Kingsley einerseits und Pusey,Newman andererseits der denkbar gröfste. Maurice, welcher,wie wir sahen, einer dissentierenden Familie entstammte, ver-tritt den evangelischen Standpunkt, welchen man mit demWorte desallgemeinen Priestertums" bezeichnet hat. Erbejaht das Becht der Selbständigkeit des erwachsenen Christenin Glaubenssachen, ja die Pflicht, nur nach dem eigenen Ge-wissen (deminneren Licht" der Puritaner) zu entscheiden; ererkennt die Möglichkeit an, durch einen so gewonnenen Glaubenallein die Heilsgüter des Christentums zu erreichen ohne dasDazwischentreten eines vermittelnden Priesters. Obwohl da-her selbst auf orthodoxem Standpunkt stehend, mufs er dieMöglichkeit verschiedener Glaubensanschauungen zugeben unddie Einheit daher nicht in ihnen, sondern auf dem Gebieteder Wirkungen des Glaubens, d. h. in jenem inneren Um-schwung suchen, welchen das Christentum alsWiedergeburt"bezeichnet. Dieselbe aber soll nicht nur im Einzelnen, son-dern auch in der Welt zur Verwirklichung gebracht und dieGesellschaft in gleicher Weise wie das Individuum umgestaltetwerden. Von hier aus führten die Zeitverhältnisse: einerseitsdas Vorwiegen des Systems der Konkurrenz und seine Ver-herrlichung durch die Theorie, andererseits das Elend derMassen und die drohende sociale Revolution jene Männer zudem Genossenschaftsgedanken als der Verneinung einer aufSelbstsucht aufgebauten Gesellschaft und der Verwirklichungder christlichen Vorschrift:Liebe deinen Nächsten als dichselbst".