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1 (1890)
Entstehung
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und wenigst gebildete Volk einzuwirken. Lowder soll öftersin der Woche nicht weniger denn vierundfünfzigmal Gottes-dienst gehalten haben, nicht selten unter offenem Himmelan den Thoren der Docks vor jenen elenden, um die Arbeitsich schlagenden Massen oder vor ausschweifenden Matrosen.Auch legte er Nachtschulen, Knaben- und Arbeitervereine,Sonntagsschulen u. s. w. an, in denen er und seine Gehülfender gröbsten Unwissenheit zu steuern suchten. Viele jenerKinder und Männer, erzählt er, hätten nie von Religion bisdahin gehört. Lesen und Schreiben seien unbekannte Künstegewesen. Bei seinen Bestrebungen wurde Lowder bereitsvielfach von Laien unterstützt, welche aus anderen TeilenLondons für den Abend herbeikamen. Dankbar gedenkt, erinsbesondere eines Herrn Linklater, welcher ihm bei der Ab-haltung von Abendschulen wirksam zur Seite ging. Diese Be-teiligung von Laien weist bereits auf andere, unten zu be-handelnde Einflüsse hin.

Ein anderer Teil der Thätigkeit Lowders bestand in demKampfe mit den oben geschilderten Gemeindeautoritäten. Erwandte sich gegen die ärgsten Auswüchse der Prostitution.Dies aber trug ihm den Hals der Machthaber in einer Ge-meinde ein, die wirtschaftlich davon abhing. Seine gottes-dienstlichen Versammlungen wurden häufig von seinen Gegnerngewaltsam unterbrochen. Jene jungen Geistlichen mufstennicht selten ihre athletischen Künste von Oxford zu Hülfenehmen, um sich der Angreifer zu erwehren. Die Predigtenim Freien und die Prozessionen wurden oft von feindlichenHaufen angegriffen, ja Lowder entging selbst mit knapperNot der Lebensgefahr, als ihn seine Feinde bereits ergriffenhatten, um ihn von einer Brücke hinab in das Bassin desDocks zu werfen. So glich sein Leben dem eines jener