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früheren Christen, welche unter den Heiden das Evangeliumpredigten.
Dieses Wirken „in einer traurigen Wildnis menschlicherSeelen" blieb nicht ohne Früchte. Vor allen war es dasLeben Lowders, welches auf seine Gemeinde wirkte, die nieein Beispiel der Selbstaufopferung bisher gesehen hatte. Inder That, auf die rohsten und verkommensten unter denMenschen, die nichts zu erheben imstande ist, wirkt, wie dasMittelalter zeigt, in oft staunenswerter Weise das für sieunbegreifliche und darum überirdische Beispiel mönchischerAscese. Insbesondere als Lowder während der Cholera 1866furchtlos die Stellen der gröfsten Gefahr aufsuchte, überallhelfend und tröstend, verfehlte das seinen Eindruck nicht.Nach und nach sammelte er eine treue Schar um sich undbegann das Vertrauen seiner Pflegebefohlenen zu gewinnen;die Zustände der Gemeinde besserten sich, wenn es auch biszuletzt vorkam, dafs aus seinen Versammlungen unvermuteteiner der Hörer von der Polizei als Verbrecher hinweg geführtwurde. Lowder starb 1880 in Zell am See unter Beisein deskatholischen Priesters an den Anstrengungen seines Berufes.— Dieses einzige Beispiel genügt für das Leben vieler unterdem Einflufs Puseys stehender Geistlichen.
Unweit jener Gegend, in der Lowder wirkte, hat dasChrist-Church-Collegium zu Oxford , der Sitz des Hochkirchen-tums, eine „Mission", die „Christ-Church-Mission", gegründet,d. h. ein Bethaus gebaut und zur Führung der Mission zweiGeistliche, frühere Mitglieder des Kollegiums, entsendet. Diekirchliche Richtung derselben, wie ihr Vorgehen, ist demLowders durchaus ähnlich. Auch sie erblicken in der Pre-digt unter freiem Himmel ein wichtiges Mittel zur Bekehrung.Ebenso wirken sie des Abends in Arbeiter- und Knabenver-einen, von Laien heute auf das eifrigste unterstützt. So fand
v. Schulze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 25