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Programm ergriff nun lebhaft den von Disraeli entwickeltenSchein eines solchen, um statt des Programms den Führereinzutauschen. Denn der gefügige Lobredner und unentbehr-liche Verteidiger im Unterhaus schwang sich bald zum Herrnempor, als welcher er — wunderbares Schauspiel — an derSpitze jener reaktionären Herrn Mafsregeln weiterer Demo-kratisierung des Staates durchführte 1 .
Während wir das Erwachen des Hochkirchtums nicht un-erwähnt lassen durften, weil es in der That positives gewirkt hat,so ist die anschliefsende politische Bewegung nur um deswillenfür uns von Bedeutung, weil ihre socialpolitischen Anschau-ungen sich überall dort wiederfinden, wo die Arbeiterfragezuerst als Gefahr an die oberen Klassen herantritt. Im Anfangglaubt man die Frage einfach durch Almosengeben, durchWohlfahrtseinrichtungen u. s. w. aus der Welt zu schaffen, in-dem man hierdurch das patriarchalische Abhängigkeitsverhältnisder alten guten Zeit wieder herstelle. Aber der Arbeiter er-widert darauf, dafs man ihm „statt Brot Steine gebe", auchbei den bestgemeinten Versuchen — ein Beweis, dafs es geradenicht das Brot ist, das er in letzter Linie begehrt, sondernhöhere Güter. Er begehrt nämlich, was ihm das Christen-tum verheifsen, indem es jedem Menschen einen absolutenWert zusprach, was die Philosophie des achtzehnten Jahr-hunderts verlangt, indem sie den Menschen zum Selbstzweckerklärt, was die Gesetzgebung des neunzehnten rechtlich ge-währt hat, indem sie die Standesunterschiede aufhob undallen das Recht der Beteiligung am Staate zusprach, er be-gehrt nicht mehr „Unterthan", sondern „Staatsbürger", nichtProduktionsmittel, sondern Mitarbeiter an dem Werke der
1 Wir urteilen hier natürlich nicht über die in der That von grofsenGesichtspunkten getragene, auswärtige Politik Disraelis.