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gegen bietet ein gleiches Interesse nicht, indem den Verfassersein Gegensatz zu der auf die Selbstsucht des Individuumsgegründeten Welt der Konkurrenz zu socialistischen Ansichtenführt, welche seit den siebziger Jahren in England , insbeson-dere in Oxford , nicht vereinzelt waren, wie das Kapitel VIdieser Arbeit zeigen wird.
Wir beschränken uns auf die Hervorhebung einigerHauptpunkte der von Ruskin an der älteren Nationalökono-mie geübten Kritik. Diese Ausführungen beweisen, dafs er indie Reihe der von Carlyle ausgehenden Kritiker gehört, fürwelche die menschliche Gesellschaft nicht allein auf denselbstsüchtigen Trieben des Individuums, sondern daneben aufgewissen, verschieden gefafsten, mehr oder weniger in denVordergrund gerückten, socialen Bedingungen beruht, unddie Vorzüglichkeit eines wirtschaftlichen Systems nicht nachder Menge der producierten Güter zu beurteilen ist, wie esRicardo gethan hatte. Nach Ruskin wurde bisher irrtümlicher-weise die Hervorbringung und Verteilung von Gütern für deneinzigen Gegenstand der Nationalökonomie gehalten: mit Un-recht; denn beide sind lediglich Mittel für einen weiteren,gemeinsamen Zweck: die Benutzung (denVerbrauch) der Güter,von der gesondert sie nicht betrachtet werden können. „DerGegenstand der Nationalökonomie ist die richtige Art desVerbrauches, d. h. die Frage, wie ein jedes Ding richtig zubenutzen ist." Der Versuch der Güter aber dient nachRuskin „der Erhaltung des menschlichen Lebens" sowohlnach seiner physischen als intellektuellen und ästhetischenSeite hin. Jede Hervorbringung, welche nicht hierzu dient,das heifst, nicht Dinge erzeugt, die „zum Leben führen"(lead to life), ist daher unwirtschaftlich. Die Hauptfrage fürein Volk besteht daher nicht darin, wie viel Arbeit es be-schäftigt, sondern wie viel Leben es möglich macht, Gerade
v. Sclmlze-Gaevernitz, Zum sog . Frieden. 26