Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
402
Einzelbild herunterladen
 

402

darin zeigt sieh der Fortschritt der menschlichen Gesellschaft,dafs in früheren Zuständen Arbeit vielfach auf Dinge ver-wendet wird, welche thatsächlich für das menschliche Lebenwertlos sind: auf dieExkremente des Schellfisches, auf Stückeblauen und roten Steines, Saphire, Rubinen, Perlen", unddal's hierfür eine grofse Menge Arbeit verschwendet wird.Später wird die Arbeit in wachsendem Mafse auf nützlichereDinge verwendet, und Gegenstände, welche früher wertloserschienen, beginnen mehr und mehr erstrebenswert in denAugen der Menschen zu werden: z. B. Luft, Licht, Reinlich-keit u. s. w.

Aus dieser Grundanschauung folgt unmittelbar RuskinsDefinition des Reichtums (wealth). Nach Ruskin ist Reich-tum der Besitz des Wertvollen, d. h. des zum Leben dien-lichen Dinges durch den, der es entsprechend benützen in derLage ist:Possession of the valuable by the valiant", eineAuffassung, womit die Erzeugung gegenüber der Verteilungund dem Verbrauche der Güter in den Hintergrund rückt.

Die Vernachlässigung der Wichtigkeit dieser letzterenbeiden Vorgänge des wirtschaftlichen Lebens brachte die Na-tionalökonomen dazu, die Erzeugung an sich als etwas gutesund erstrebenswertes anzusehen. In Wahrheit dagegen kann dieErzeugung von wirtschaftlichen Gütern weit mehr Leben schä-digen und mehr Energien vernichten, als das erworbene Gut zuerhalten und zu fördern geeignet ist. Ruskin führt folgendesBeispiel an. Auf einer wüsten Insel mit wenigen, weit entfern-ten Stücken bebaubaren Landes, haben drei Leute ihr Leben zufristen; zwei greifen zu Ackerbau, einer übernimmt es, zwischenden beiden Ackerbauern diejenigen Erzeugnisse auszutauschen,mit welchen sie bei der Verschiedenheit der Grundstückeeinander auszuhelfen in der Lage sind. Man nehme nun an,dafs der Verkehr zwischen den beiden Ackerbauern nicht an-