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1 (1890)
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oder von dem, der kaufen mufs, mehr zu verlangen, des-wegen, weil er arm ist. DieBeraubung des Armen, weil erarm ist", das Gewerbe des Kapitalisten, meint Ruskin , sei jeden-falls einträglicher und ungefährlicher als dieBeraubung desReichen, weil er reich ist", welche der Strafsenräuber ausübe.Diese Anklagen, welche Ruskin gegen die bestehende Gesell-schaft schleudert, sind im Grunde wenig verschieden vondem bereite von Carlyle erhobenen Vorwurf der Organisa-tionslosigkeit der heutigen Produktionsweise, welche immerwieder das Leben vernichte, das sie hervorgebracht habe,und auf der einen Seite die Vorräte inÜbermafs ansammele,deren Mangel auf der anderen Seite Elend und Hunger her-vorbringe.

Ruskin wendet sich von hier aus insbesondere gegen dieFeststellung der Löhne der Arbeiter durch Nachfrage undAngebot, weil sich hier die geschilderten Schattenseiten amschärfsten zeigten, weshalb auch zu allen Zeiten die wichtigstenArten von Arbeit dem Spiele des freien Wettbewerbs ent-zogen und zu festgesetzten Löhnen vergeben würden.Wirvergeben nicht die Stelle des Premierministers in Auktion,noch geben wir beim Tode eines Bischofs, was immer dieVorteile der Simonie sein mögen, die Diöcese dem Geist-lichen, der sie für das niederste Gebot nimmt. Wenn wirkrank sind, fragen wir nicht nach einem Arzte, welcher we-niger als eine Guinee nimmt." Ruskin behauptet, dafs diehöchste Arbeit immer und überall zu einem feststehendenLohnsatze vorgenommen werde, und dafs dies mit jeder Artvon Arbeit, um sie auf ähnliche Höhe zu heben, der Fallsein sollte. Er verlangt also, dafs der gute und schlechte,der schwache und starke Arbeiter gleich bezahlt werden solle,wie es der Herr des Weinberges in der Bibel gethan habe,welcherbis zu diesem Letzten" (unto this last") allen sei-