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Gehalt zu bekommen. Das Gehalt ist eine notwendige Bei-gabe, aber nicht der Inhalt seines Lebens, wenn anders erein wahrer Lehrer ist, ebensowenig wie das „Honorar" derLebenszweck eines wahren Arztes ist". Ähnliche Gedankenhatte Carlyle mit dem Satze ausgedrückt, dafs alle wahreArbeit unbezahlbar sei. Wenn Ruskin dieselben Gedankenin einen Vergleich kleidet, welchen er von den gelehrten oder„professionellen" Berufen auf die rein wirtschaftlichen an-wendet, so bezeichnet ihn das als den Träger einer Be-wegung, welche zunächst in den Universitäten ihren Sitz hat.
In Rücksicht auf den Rahmen vorliegender Arbeit müssenwir uns versagen, auf die Werke dieses Schriftstellers nähereinzugehen 1 . Wir können dies um so mehr, als er in seinerKritik des bestehenden mit den unten behandelten Socialistennahe verwandt ist, während die wissenschaftliche Methode,welche der klassischen Nationalökonomie heute positiv ge-genübergesetzt wird, aus Deutschland stammt. Um eineProbe der Ausdrucksweise Ruskins zu geben, führen wir dieSchlufsworte von „Unto this last " an, desjenigen Werkes,durch welches der genannte Schriftsteller unzweifelhaft amweitesten gewirkt hat. „Ich wünsche die eine grofse That-sache klar festzustellen, dafs es keinen Reichtum ohne Lebengiebt, Leben, einschliefsend alle Kräfte der Liebe, Freudeund Bewunderung. Dasjenige Land ist das reichste, welchesdie gröfste Menge edler und glücklicher Menschen ernährt;der Mann ist der reichste, welcher, nachdem er die Funktionenseines eigenen Lebens bis zum äufsersten Punkte erfüllt hat,