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1 (1890)
Entstehung
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411
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Den geistigen Hintergrund auf dem sich Toynbees Ent-wicklung aufbaut, haben wir oben charakterisiert: die anti-individualistische, von Carlyle ausgehende Dichtung. Es istaber hier noch ein Mann zu nennen, welcher in dieser Hin-sicht auf die Entwicklung Toynbees grofsen Einflufs gewann.Für die Auseinandersetzung mit den religiösen und philosophi-schen Problemen der Zeit hat Toynbee weitgehende Anregungdem am gleichen Kollegium thätigen Professor T. H. Greenzu danken.

Alle bisher behandelten Männer: Carlyle, die christlichenSocialisten wie Maurice und Kingsley, ferner auch Pusey, ent-stammten specifisch christlichen Kreisen. Ihr Denkenauch wo es, wie bei Carlyle, die philosophischen Formen derGegenwart annahm bewegte sich zum mindesten in ihrerJugend in den Formen der überlieferten christlichen Dogma-tik. Anders bei Toynbee. In London geboren und der Sohneines Naturforschers, trat er erst unter dem Einflufs Greenszu Oxford, wo, wie er sagt, die meisten ihre Religion ver-lernten, religiösen Fragen nahe 1 . Auf diesem Ursprungberuht ein eigentümlicher Zug der mit seinem Namen ver-knüpften Bewegung; sie steht voll und bedingungslos auf demBoden des modernen Denkens.

Toynbee war antiutilitarisch sowohl seiner Anlage als derZeitströmung nach, in die er hineintrat. Eine solche Gesin-nung aber ist, wie Carlyle aufgestellt hatte, unmöglich ohneirgend eine Form des Glaubens und das einzige Mittel, zudiesem in zeitgemäfser Form zu gelangen, bietet, woraufCarlyle ebenfalls hingewiesen hatte, die neuere deutsche, vonKant abhängende Philosophie. Durch T. H. Green nun, wel-

1 Folgende Anekdote stammt aus damaliger Zeit. Ein Bekannteräufserte naiv zu einem Kameraden:Toynbee liest die Bibel wie einanderes Buch als ob er es gern thäte".