Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
414
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auf materialistischer Grundlage ein System altruistischer Re-ligion aufzubauen.Die Menschheit" (dasgrofse Wesen",das jene anbeten), schreibt er,ist eine durch den Verstandgemachte Abstraktion; sie kann nie Gegenstand einer Religionsein; denn Religion in jeder Form verlangt etwas, das lebtund nicht gemacht ist. Es ist die Vision eines lebendigenDinges (nicht einer Abstraktion), die den Psalmisten rufenläfst: »wie der Hirsch schreit nach den Wasserbächen, so be-gehrt meine Seele nach dir, du lebendiger Gott«". Auf derandern Seite wehrte er, als Engländer allen spekulativenTräumen abgeneigt, jeden Versuch ab, das Jenseits mit demVerstände fassen oder gar durchdringen zu wollen. Für ihnwar das Christentum nicht das für wahr halten gewisser Be-hauptungen über Christus, sondern, wie er sagte, dieNach-folge Christi". Diese Gesinnung, die ihn jeden Morgen, wieer einem Freunde schreibt, den Entschlufs fassen liefs, derSelbstsucht an diesem Tage völliger Herr zu werden, als amvorhergehenden, diese Gesinnung begleitete ihn durch daskurze Leben, bei seinen Studien und in dein Kreise seinerSchüler und Freunde, in den Arbeiterversammlungen Nord-englands und den Höhlen des Londoner Pauperismus. Ihrverdankt Toynbee seinen geradezu erstaunlichen Einflufs. MitRecht sagt einer seiner Freunde von ihm, dafs er, im Mittel-alter geboren, Heiliger und Stifter eines Mönchsordens ge-worden wäre, wenn er nicht was allerdings wahrschein-licher sei als Ketzer verbrannt worden wäre. Aus seinemreligiösen Standpunkt ergab sich für Toynbee seine Lebens-aufgabe: die Träger der Bildung und des geistigen Fort-schrittes, d. h. die Universitäten und die ihnen verwandtenKreise, mit den arbeitenden Klassen in Berührung und gegen-seitige Beeinflussung zu bringen.

In unserem materialistischen Zeitalter glauben viele, dafs