Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
415
Einzelbild herunterladen
 

415

es genug sei, den Arbeiter mit Essen und Trinken am Lebenzu erhalten. Notwendig sei dies in der That, sagt Toynbee,wenn er nicht durch Mangel und Sorge um äufsere Dingemit Gewalt im Materialismus niedergehalten werden solle.Aber er war davon durchdrungen, dafs der Mensch nicht vomBrote allein lebe. In einer Rede zu Bradford vor einer zu-meist aus Arbeitern zusammengesetzten Zuhörerschaft sagteToynbee, dem es wenig darum zu thun war durch Schmei-cheleien seine Hörer zu gewinnen:Hohe Löhne sind nichtein Endzweck. Niemand verlangt hohe Löhne, damit dieArbeiter sinnlichen Genüssen nachgehen könnten. Wir ver-langen höhere Löhne, damit eine Verbesserung der materiellenLage und weniger Ängstlichkeit und Unsicherheit in Betreffder Zukunft dem Arbeiter ermögliche, ein reineres und wür-digeres Leben zu führen". Materielle Hebung der Arbeitererschien Toynbee nur als ein Mittel zu höheren Zwecken.Die Massen dem Materialismus zu entreifsen sei um sonötiger in einer Zeit unaufhaltsamer, politischer wie gesell-schaftlicher Demokratisierung. Dieselbe müsse verhängnisvollwerden, wenn es nicht gelinge, die fallenden Satzungen desGesetzes und der Sitte, die die Menschen bisher gebundenhätten, durch sittliche Selbstbeschränkung zu ersetzen; dasaber sei nur möglich, wenn Religion und Fortschritt Hand inHand gingen.

Aus diesem Grundgedanken folgt Toynbees Stellung zumpolitischen und volkswirtschaftlichen Individualismus der Gegen-wart. Während die christlichen Socialisten denselben schlecht-hin verdammen, sieht er in ihm zwar nicht wie seine Anhängerdas Endziel, wohl aber den wichtigsten Hebel des Fortschritts.Die Bewegung der Geschichtegeht von natürlichenGruppen zum Individualismus und von Individualismus zumoralischen Gruppen. Genossenschaft ist der Schlachtruf