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sehritts, das nicht angebetet, aber benutzt und unter dieKontrolle von Religion und Sittlichkeit gestellt werden müsse.Sein Standpunkt zur älteren englischen Nationalökonomie istdaher kein völlig negativer. Während die christlichen Socia-listen dieselbe schlechtweg als Teufelswerk denunciert hatten,erkennt er ihre relative Berechtigung an. Nur so weit sieihre Gesetze als Naturgesetze ausgiebt, welche immer und zuallen Zeiten wahr seien, wie dies Ricardo gethan hatte, er-blickt er in ihr einen „intellektuellen Betrug". Zu allenZeiten vielmehr seien diese aus dem Individualismus abge-leiteten Gesetze durch andere mit einwirkende Elemente ein-geschränkt worden, zu gewissen Zeiten jedoch so sehr, dafsvon ihrer Geltung schlechterdings nicht die Rede sein konnte.Insbesondere pflegte er seinen Studenten einzuschärfen, dafsin den Ländern des Ostens das System der Konkurrenz kaumvorhanden sei und dafs durch Anwendung der SätzeRicardos die noch vollständig von Sitte und Überlieferung be-herrschten Bevölkerungen des indischen Reiches viel zu leidengehabt hätten.
Dieser Standpunkt zur klassischen Nationalökonomie ent-wickelte sich mit Notwendigkeit aus jener Carlyleschen Grund-auffassung, welche sociale neben individualistischen Beweg-gründen als Triebkräfte für das menschliche Handeln vonWichtigkeit sein läfst. Damit wurde das Individuum desBentham eine leere, nirgends der Wirklichkeit entsprechendeFiktion. Bentham aber hatte mit Recht gesagt: „Ich bin dergeistige Vater des James Hill, dieser ist der geistige Vaterdes Ricardo; also bin ich der Grol'svater des Ricardo". Nurauf Grundlage der Benthamschen Philosophie war die klassischeNationalökonomie möglich gewesen. Ihr Fehler lag für Toynbeealso weniger in ihren Ergebnissen als in ihrem Ausgangspunkte.Fälschlicherweise hatte sie den Schein aprioristischer Deduktion
v. Schul ze-Gaevernitz, Zum soc. Frieden. 27