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angenommen, während ihre sogenannten Gesetze, soweit siefür die Gegenwart richtig sind, es nicht deshalb sind, weilsie sich deduzieren lassen. Es war ein ebenso verfehlterVersuch der Nationalökonomie die Form der Mathematiknachzuahmen, wie der gleiche, für ein anderes Gebiet unter-nommene Versuch des Spinoza .
Behauptet man aber das Wirksamsein socialer nebenindividualistischen Beweggründen, deren Zusammenwirken diewirtschaftlichen Verhältnisse bestimme und haben die socialenMotive zu verschiedenen Zeiten den allerverschiedensten nurgeschichtlich zu bestimmenden Ausdruck gefunden, so hörtdas Individuum auf, der aprioristische Ausgangspunkt fürvolkswirtschaftliche Untersuchungen zu sein. Es ist nichtsweniger als von vornherein bekannt, vielmehr das aller-komplizierteste Endergebnis der jeweiligen Gesellschafts-zustände. Ihm gegenüber sind diese letzteren weit bekannterund ihre Beobachtung ist der einzig mögliche Ausgangspunktder Forschung. Die Nationalökonomie wird damit einehistorische Wissenschaft und ihre Methode die der Induktion —welchen Charakter heute nach und nach alle Wissenschaftenannehmen. „Die historische Methode", sagt Toynbee, „hat dieNationalökonomie revolutioniert, nicht dadurch, dafs sie ihreGesetze als falsch, so vielmehr als relativ gültig für eine be-stimmte Stufe der Civilisation erwies".
Man hat Toynbee dieser Aufstellungen wegen „ den Begründerder historischen Methode in der Nationalökonomie" genannt.Nachdem dieselbe in Deutschland seit Jahrzehnten gehandhabtwar, ist eine solche Behauptung nur möglich auf Grund derin England häufigen Unkenntnis der ausländischen Litteratur.Dagegen hat Toynbee mit dahin gewirkt, die weiteren Kreiseder Gebildeten seiner Heimat dem Einflufs Ricardos zuentreifsen, in deren Köpfen er bis in das vorige Jahrzehnt