- 420 —
es kann ebensogut wie mit dem Geiste der Selbstsucht mitsittlichem Inhalte erfüllt werden. „Unabhängigkeit", sagtToynbee, „ist die notwendige Bedingung für eine neue undhöhere Form der socialen Einigung, welche auf freiwilligerVerbindung der Menschen beruht".
Aber die Unabhängigkeit der Arbeiter, die Vorbedingungjeder künftigen „Organisation der Arbeit", wird thatsächlicherst durch Verbündung möglich. Wenn die gewerkvereinlicheOrganisation der Arbeiter zwar die letzten Reste eines patriar-chalischen Verhältnisses zwischen Arbeiter und Arbeitgeberzerreifst, so hatte dasselbe innerlich doch längst seinen Inhaltverloren und trug, wo es äufserlich noch bestand, nur zurAbhängigkeit und damit bei der unabänderlich herrschendenKonkurrenz zur Herabdrückung des Arbeiters bei. Dahersind die Gewerkvereine heutzutage nach Toynbees Ansichtdas wichtigste Mittel zur Hebung der Arbeiter, weil sie alleindieselben dem Kapital gegenüber widerstandskräftig und zurgleichberechtigten Partei machen.
Toynbees Stellung zu den Gewerkvereinen, in dem ihmFrederic Harrison , Prof. Beesley, Henry Crompton u. a. voran-gingen, bezeichnet einen aufserordentlich wichtigen Umschwungin der öffentlichen Meinung Englands . Früher standen die Ge-werkvereine sowohl bei Liberalen wie Konservativen in Ungunst.Letzteren bedeuteten sie Auflehnung gegen die von Gott ge-setzten Oberen, ersteren dagegen einen Eingriff in die Freiheitdes Individuums und Versuche zur Monopolisierung des Arbeits-marktes. So werden von Cobden folgende Worte berichtet: „Manverlasse sich darauf, dafs nichts durch Brüderschaftmachen mitden Gewerkvereinen gewonnen werden kann. Sie sind auf dieGrundsätze brutaler Tyrannei und des Monopols gegründet.Lieber lebte ich unter dem Dey von Tunis als unter einemGewerkvereinsausschufs". In ähnlicher Weise sagt der Ver-