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heute noch fortblüht 1 . Die Zwecke dieser Anstalt stehendurchaus auf dem Boden der den Gegenstand vorliegendenKapitels bildenden Bewegung. „Die Schüler sind der Mehr-zahl nach Arbeiter, die Lehrer gewöhnlich frühere Mitgliederder Universitäten, die nun in verschiedenen Berufen thätigsind, oder Leute, welche selber Schüler des Working-Men's-College gewesen sind. Der Zweck des College ist, die Klas-sen zusammenzubringen, indem man sie in der gemeinsamenArbeit des Lernens und Lehrens vereinigt. Es sorgt für Un-terricht zu den möglich geringsten Kosten, indem fast alleLehrer unbezahlt sind, und zwar in den Gegenständen, welcheam meisten den englischen Bürger angehen, und versucht li-berale Erziehung in den Bereich des Arbeiters zu bringen 2 ".
Werfen wir einen Rückblick auf die geschilderten Be-strebungen, so ist vor einem Mifsverständnis zu warnen. Die-selben sind keine Armenpflege; denn sie wenden sich nicht andie materiell Bedürftigen, vielmehr vorzüglich an den auf sichselbst gestellten Arbeiterstand von seinen höchsten bis nieder-sten Schichten. Sie suchen ihn geistig, sittlich und körperlich zuheben, weisen dagegen auf das entschiedenste von sich, dieSorge für jene notwendigen Lebensbedürfnisse zu übernehmen,
1 Vergl. Brentano, Die christlich-sociale Bewegung in England, Kapitel VI und Anhang VIII.
2 Eingang des XII. Berichtes des Working-Men's-College, 1880.Da das Working-Men's-College nicht im Osten der Stadt, sondern imMittelpunkt derselben liegt (45 Great Ormond Street, Bloomsbury W. C.),so sind unter seinen Besuchern Schreiber und ähnliche Berufe stark ver-treten. Trotzdem überwiegen die Arbeiter. Folgendes Prozentverhältnisbestand im Winter 1888/89:
Schreiber 34 °/o,
Handlungsbeflissene aller Art 5 -
Öffentliche Angestellte (Polizisten u. s. w.), Lehrer. . 8 -In Warenlagern angestellt als Packer u. s. w 15 -
Arbeiter mehr oder weniger gelernten Berufes ... 38 -
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