schieden: während Carlyles Gedanken fast stets in der glän-zenden Sprache der Leidenschaft hervorgestofsen werden, da-gegen das innere System verborgen liegt und nur bei andauern-dem Studium hervortritt, opfert Comte selbst die Flüssigkeit desStils den Anforderungen einer fast mathematischen Schärfe. ■Trotzdem sind sich die Comtisten bewufst, in wie vielenPunkten ihnen Carlyle vorgearbeitet hat. Man kann sagen, dafsdie Aufnahme, die der Positivismus in England gefunden hat,dem Einflufs zu verdanken ist, welchen Carlyle auch auf dieradikalen Richtungen geübt hat. Aber während die Diagnose,welche Carlyle und die Positivisten über die krankhafte Be-schaffenheit der gegenwärtigen Gesellschaftszustände aufstellen,die gleiche ist, — eine Thatsache, die z. B. C. G. Iligginson 1betont — gehen beide, was die Prognose der künftigen Ent-wicklung angeht, auseinander.
Wie Carlyle führt der Positivismus die socialen wie mo-ralischen Mifstände der Gegenwart auf die „dösOrganisationspirituelle" zurück, d. h. die Disharmonie, welche dadurch indie menschliche Natur gekommen ist, dafs der Glauben, aufwelchem das Denken, Fühlen und Handeln des Einzelnen unddamit die Gesellschaft beruht, durch die fortschreitende Ent-wicklung des Wissens für immer weitere Kreise hinfällig wird.Die Fähigkeit der Hingabe und Selbstaufopferung geht in demGrade verloren, als durch den Fortschritt des Wissens ihreintellektuellen Voraussetzungen veralten. Die selbstsüchtigend. h. gesellschaftsfeindlichen Triebe werden damit wiedermächtiger und der Bestand der Gesellschaft, jener durchaltruistisches Handeln der Vorzeit aufgespeicherten Erbschaft,wird dadurch in Frage gestellt.