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2 (1890)
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listischer Beschränktheit bekämpfen. Dieselben, lediglich mitihren Sonderfächern' beschäftigt, haben den Begriff der Wissen-schaft als eines Ganzen verloren. Soweit sie zudem in denheute am weitesten fortgeschrittenen Wissenschaften, den ma-thematischen und physikalischen, zu Hause sind, glauben siedie für ihr beschränktes Gebiet gültige Erklärung auf alle an-deren übertragen zu können; daher der Materialismus, welcherunter den Specialisten dieser Fächer seine wissenschaftlichenVerteidiger findet. Wenn die Philosophie das Wissen alsSelbstzweck betrachtet, die Religion es einem höheren Zweckunterordnet, so findet der Positivismus in den Kreisen derFachgelehrten Gegner, weil er Religion und nicht blofsPhilosophie ist.

In gleicher Weise aber erheben sich innerhalb der reli-gionslosen Arbeiterklasse Gegner des Positivismus, weil erReligion und nicht Politik ist. Sobald die alten Glau-bensformen hinfällig geworden sind und damit das physischeWohlsein das allbeherrschende Ziel wird, glauben die wirt-schaftlich Schwachen, dafs ihnen durch politische Veränderunggeholfen werden könne, und verlangen Eingriff des Staates,um die von ihnen zumeist empfundenen Mifsstände zu be-seitigen. Während daher die Massen dem Socialismus an-heimfallen ein Vorgang, welcher aus dem Vorherrscheneiner individualistischen Weltanschauung notwendig folgt,werden zunächst nur wenige der besten unter den Arbeiterneine Lehre annehmen, welche jeden Versuch, durch äufsereMittel die Gesellschaft umzuformen, als verfehlt zurückweist,und sociale Reform nur auf Grund der innerlichen Reformdes Einzelnen möglich erklärt.

Trotzdem ist, sagen die Positivisten, der endliche Siegihrer Sache sicher. Sie nämlich böten den einzigen Weg,um zwei scheinbar unversöhnliche Forderungen, die beide