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2 (1890)
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trachte, und die Erscheinungen überhaupt nur insoweit be-obachte, als sie auf ihn unmittelbar Bezug hätten. Sei dochdie Erkenntnis lediglich für die Befriedigung der notwendigenBedürfnisse entwickelt. Es ergehe sich hieraus die Notwen-digkeit, dafs der Mensch sich zugleich als Typus der äufse-ren Erscheinungen ansehe. Er wisse keine andere Erklärungfür dieselben, als dafs er sie seinen eigenen Handlungen ver-gleiche. Der Mensch kenne im Anfange nichts als sich selbstund übertrage diese Kenntnis auf die Erscheinungen, welcheseine Aufmerksamkeit fesseln. Er hält also die Vorgänge desWeltalls für hervorgebracht durch Willensakte nach seinerArt belebter Wesen. Dies sei der Ursprung der theologi-schen Denkweise, welche Comte vom erkenntnistheoretischenStandpunkt aus für die erste und unerläfsliche Bedingungaller Fortschritte hält.

Die theologische Denkweise macht nun nach Comte ver-schiedene Entwicklungsstufen durch, welche dadurch herbei-geführt werden, dafs auch der andere Weg der Erkenntnis,der von aufsen nach innen, beschritten zu werden anfängtund mit der Beobachtung der Thatsachen allmälich für einigederselben eine Reihe von unwandelbaren Gesetzen erkanntwerden. Ursprünglich beseelt der Mensch jeden Körper miteinem Leben, das dem seinen mehr oder weniger ähnlichgedacht wird (Fetischismus) eine Auffassung, die mit derAnnahme irgend eines Gesetzes noch unvereinbar ist. Späterstellt er über die sichtbare eine gewöhnlicherweise unsicht-bare Welt, welche er mit übermenschlichen Wesen bevölkert,deren Einwirkung die sichtbaren Erscheinungen bestimmt.In jener Zeit besteht noch nicht der Begriff des Wunders,weil die Herrschaft des Gesetzes erst für ganz geringe Teileder Erscheinungswelt, solche, die der täglichen Erfahrung am

nächsten stehen, angenommen wird. Alles ist in gleicher

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