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Weise wunderbar, wie die aus ältester Zeit überliefertenPoesien beweisen, welche göttlichen Eingriff bei den bedeut-samsten wie den gewöhnlichsten Vorgängen des Lebens an-nehmen.
Wir müssen uns versagen, auf die Ableitung der frühe-sten gesellschaftlichen Zustände aus dieser ersten Form desDenkens einzugehen. Comte nimmt an, dafs die „intellek-tuelle Einheit", d. h. gewisse gemeinsame Vorstellungen,welche durch sie herbeigeführt wurden, die Vorbedingungaller socialen Gebilde gewesen sei. Er untersucht, wie injener Zeit als erstes derselben die Familie, wenn auch nochunvollkommen, sich entwickelt habe, wie der Polytheismus mitder Trennung eines Priesterstandes von der Masse des Vol-kes einen bedeutenden Fortschritt für das Menschengeschlechtangebahnt hätte, wie jene Periode eine kriegerische Organi-sation des Volkes hervorgerufen habe, wie die Entstehungdes Staates mit der des Polytheismus zusammenfalle, wiebeide zusammen wüchsen, wie die höchste Tugend, die derPolytheismus hervorgebracht habe, die Vaterlandsliebe ge-wesen sei u. s. w. Diese Ausführungen, sowie die ent-sprechenden für das monotheistische System, enthalten, wieJ. St. Mill anerkannt hat, hochinteressante und grofsenteilseinwandsfreie Verknüpfungen geschichtlich feststehender That-sachen.
Aber das polytheistische System wurde mit der Zeit da-durch unhaltbar, dafs die Kenntnis der die Erscheinungen be-herrschenden Gesetze zunahm. Die alte Vorstellung von Er-eignissen, die täglich durch eine Legion von Göttern undGöttinnen willkürlich hervorgerufen würden, erwies sich alsunvereinbar mit den gewöhnlichsten Beobachtungen. Schondie griechische Philosophie hatte den Erfolg, dafs ein ganzerTeil der Erscheinungswelt, die äufsere Natur, der Herrschaft