— 21 -
der Götter entzogen und der des Gesetzes überliefert wurde.Dagegen herrschte auf dem Gebiete der moralischen undsocialen Erscheinungen noch unbeschränkt die theologischeErklärungsweise. Comte entwickelt des eingehenden, wiediese Thatsache den polytheistischen Glauben zum Monotheis-mus führte, in welchem die theologische Anschauungsweiseihre letzte und grofsartigste Stufe erreicht.
Die Vorstellung einer allumfassenden Vernunft, welchedie Natur nach sich selbst auferlegten und nur äufserst seltenverlassenen Gesetzen lenke, dagegen in das menschliche Lebennoch häufig eingreife, die dort etwa herrschenden Gesetzeunterbrechend, schien einmal die theologische Denkweise zuwahren, andererseits vereinbar mit dem wissenschaftlichenStudium der Natur.
Bereits beim Übergang vom Polytheismus zum Mono-theismus, sodann aber noch mehr bei der Zurückdrängungdes letzteren selbst, war die „metaphysische" Erklä-rungsweise von grofsem Einflüsse. Diese bezieht die Er-scheinungen nicht mehr auf göttliche Willensakte, sondernerklärt sie durch Abstraktionen, welche für Wirklichkeitengelten. So nimmt sie z. B. nicht mehr an, dafs Dryaden dieBäume belebten, sondern dafs vielmehr jede Pflanze undjedes Tier eine beseelende Kraft, „Bildungstrieb", „Lebens-kraft" genannt, besäfse. Man nimmt eine „Heilkraft", ein„Streben nach dem Vollkommenen" in der Natur an. Mansagt nicht mehr, die Gestirne bewegten sich in Kreisen, weilihnen Gott solche vorgeschrieben, sondern weil der Kreis dievollkommenste Linie sei u. s. w. Diese Annahme, einerseitsdie Anwendung der Gesetze zulassend, denen eine Wesenheit,nicht aber ein Wille unterworfen sein kann, ist andererseitsvereinbar mit dem Glauben an eine allumfassende Gottheit.
Auf diesem Kompromifs baute das Christentum seine