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fang durch Zusammenbruch des mittelalterlichen Systems dieweltliche Gewalt gestärkt wird. Aber das Fortschreiten dermetaphysischen Entwicklung mit ihren Menschenrechten, ihrerParlamentsherrschaft u. s. w. legt die Regierungsgewalt that-sächlich lahm. Das gleiche gilt auf wirtschaftlichem Gebiet:die sittlichen wie gesetzlichen Schranken, die den selbst-süchtigen Trieben des Individuums gezogen waren, werdenhinfällig. Es wird damit ein Kampf um das Dasein, d. h.Ausbeutung des Schwachen durch den Starken entfesselt.
Die metaphysische Entwicklung aber wird durch diepositivistische überholt. Wir leben heute nach Ansicht derAnhänger dieser Richtung in der Zeit, da der Positivismus,bisher auf beschränktem Gebiet herrschend, zum ersten Maleallgemeine und ausschliefsliche Ansprüche geltend macht. Erist heute daran, die „unwiderruflich erschöpfte theologischeWeltanschauung durch einen beweisbaren Glauben zu ersetzen".Hierauf wird es seine weitere Aufgabe sein, die „arbeitendenMassen der Gesellschaft einzufügen", eine Entwicklung, welcheden Übergang vom Sklaven zum Hörigen und freien Lohnarbeiterzum Abschlufs führen wird. Beides sind die „untrennbarenAufgaben, welche das Mittelalter dem Zeitalter der Revolutionhinterlassen hat" 1 .
Seit den ältesten Zeiten ist die Ausbreitung des Posi-tivismus ununterbrochen vor sich gegangen. Wir haben er-wähnt, wie die positive Betrachtungsweise, im Anfang durchdie theologische fast ausgeschlossen, doch schon früh ingewissen Ansätzen vorhanden war. Gar bald nämlich mufsteder ursprüngliche Mensch bemerken, dafs eine, wenn auchzunächst geringe Anzahl von Erscheinungen nicht willkür-lich, sondern nach Gesetzen vor sich ginge. Es war das
1 Yergl. Appel aux Conservateurs, 1855, S. 84.