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2 (1890)
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Biologie eigen sei. Gegenüber der unbelebten Natur bietet dieBeobachtung der einfachsten Thatsachen die Möglichkeit, dieherrschenden Gesetze aufzufinden. Dagegen ist die Beobachtungkomplizierter Vorgänge ungeeignet, allgemeine Gesetze zu er-geben. Wir studieren die Gesetze der Schwerkraft, der Elek-tricität u. s. w. an ihren einfachsten Erscheinungen, z. B. demPendel, dem elektrischen Funken. Dagegen wären wir an-gesichts der zusammengesetzteren Erscheinungen, z. B. derMeteorologie, dem Gewitter, den Winden u. s. w. nie imstandegewesen, allgemeine Gesetze zu entdecken. Nur allmählich,und zwar je zusammengesetzter sie sind, um so langsamer,werden erst jene Vorgänge der Herrschaft der aus den ein-facheren Thatsachen gewonnenen Gesetze unterworfen. Indiesen Wissenschaften ist das Ganze, in welchem die Er-scheinungen vor sich gehen, das Weltall , wie man es nennt,schlechterdings der menschlichen Vernunft entzogen und, woes auftaucht, als metaphysischer Begriff zu bekämpfen.

Anders sobald man das Gebiet des organischen Lebensbetritt. Dem pflanzlichen oder tierischen Körper gegenüberwäre eine ausschliefsliche Betrachtung der Teile ungenügend,welche vielmehr stets in Rücksicht auf das Ganze zu unter-suchen sind. Weit mehr noch gilt dies von den socialenErscheinungen. Die sie zusammensetzenden elementarenThatsachen sind menschliche Gedanken, Gefühle und Hand-lungen. Man hat nun demgemäfs angenommen, dafs dieGesellschaft aus der Natur ihrer Einheit d. h. des Men-schen, abgeleitet werden könne ein Irrtum, welchem dieNationalökonomen und Bentham verfielen. Ein solcher Ver-such ist allemal verfehlt. Einmal ist die Wissenschaft desmenschlichen Einzelwesens noch nicht fortgeschritten genug,um irgend welchen Ausgangspunkt für die Erklärung der so-cialen Erscheinungen zu gewähren. Sodann aber, selbst