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2 (1890)
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Besonders auf zwei Gebieten ist sie beute fast gänzlichunbekannt. Einmal auf dem Gebiete der Wissenschaft. Die-selbe ist nicht als Spiel des Geistes an sich gut, wie ja dieMufse des Gelehrten der Arbeit anderer, in Vergangenheitund Gegenwart, verdankt wird; er ist daher für ihre An-wendung ebenso verantwortlich, wie der Reiche für die An-wendung des Reichtums. Alle wissenschaftlichen Beobach-tungen, weil beruhend auf individualistischem Geiste,werdenheute rückschrittlich, sofern sie nicht belebt sind durch dieorganische Vorstellung der lebenden menschlichen Gesamt-heit", sagt Harrison 1 . Das gleiche gilt von dem Gebiete derIndustrie. Der Kapitalist sollte sich als öffentlicher Verwalterdes ihm von der Gesellschaft übertragenen Besitzes ansehenund ihn zum gemeinen Besten anwenden. Der Arbeiter solltenicht widerwillig dienen, sondern als Mitarbeiter an dem ge-meinsamen Zweck der Gütererzeugung seine Unentbehrlichkeitund Würde erkennen. Er sollte sein Werk verrichten in demGeiste, wie der Krieger den Heeresdienst verrichtete, nichtum des Soldes, sondern um der Sache willen.

Indem der Positivismus die Unterordnung des Individua-lismus unter den Altruismus dort weiter führt, wo sie dasChristentum stehen gelassen, so wird die Geschichte zu einerfortschreitenden Socialisierung.Der Mensch wird mehr undmehr religiös" ein Satz, der freilich nur dann begründetgefunden wird, wenn man den lediglich der Auflösung dertheologischen Denkweise zuzuschreibenden Individualismusder Gegenwart als vorübergehend erkannt hat. Heute näm-lich ist nach Ansicht der Positivisten die Religion im Er-scheinen, welche das gesamte menschliche Dasein umfassen,ihm, dem so viel zerspalteten, wieder Einheit und Richtung

1 Vergl. Fortnightly Review. N. S. VIII.