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2 (1890)
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geben und alle menschlichen Fähigkeiten in den Dienst einesallgemein anerkannten höheren Zweckes stellen wird.

Im Eingange seines letzten Werkes 1 fafst Comte dieseGedanken mit folgenden Worten zusammen, welche für denin seiner Ausdrucksweise Bewanderten in der That seine ge-samte Philosophie umschliefsen.Die Unterordnung des Fort-schrittes unter die Ordnung, der Analyse unter die Synthese,der Selbstsucht unter die Liebe: dies sind die drei Arten,die praktische, die theoretische und die ethische, das Problemdes menschlichen Lebens zu beschreiben, welches in der Er-reichung einer dauernden und vollständigen Einheit besteht.Es sind drei Wege, um ein und dieselbe Frage aufzustellen,entsprechend den drei Seiten unserer Natur: Thätigkeit, Ver-stand und Gefühl. So abhängig sind dieselben voneinander,dafs die drei Seiten des Problems nicht nur verbunden, son-dern identisch sind. Trotzdem behauptet das letzte der dreiden Vorrang, da es allein die Quelle berührt, wo die Lösungzu finden ist. Denn Ordnung setzt Liebe voraus; Syntheseist unmöglich aufser als Ergebnis von Sympathie. Infolge-dessen sind Einheit im Denken und Handeln unmöglich ohneEinheit im Fühlen. Daher ist Religion wichtiger als Philosophieund Politik. In letzter Linie kann man daher sagen, dafs dasProblem des Lebens darin besteht, Einklang in unsere Gefühlezu bringen, durch Erweiterung der socialen und Unterordnungder selbstsüchtigen. Damit ist auch die Unterordnung der Ver-änderung, des Fortschritts, unter das Bestehende, die Ordnung,und der Einzelforschung unter die weiten Auffassungen desGanzen gegeben."

Comte versäumt nicht, den Begriff der Menschheit,welche den Mittelpunkt unseres Fühlens, Denkens und Han-

1 Synthese Subjective. Paris 1856.