und sich als das Ergebnis seiner Vorgänger hinzustellen 1 .Aber das grofse Wesen, dem wir nach Comte alles ver-danken, ist nicht jenseitig, wie jener Gott, der die Dienstedes Gläubigen nicht brauchte. Seine Zukunft bedarf nichtnur unserer Liebe, sondern auch unserer Arbeit. UnsereWohlthäter ehren wir dadurch, dafs wir denselben Zweckenleben wie sie: der Menscheit, die alle umfafst.
Ihr, dem „einzigen grofsen Wesen", ist unser gesamtesDasein nach seinen verschiedenen Seiten unterzuordnen. Un-sere Gedanken sind geweiht seiner Kenntnis , unsere Gefühleseiner Liebe, unsere Handlungen seinem Dienst. „So könnenPositivisten, wie alle Gläubigen, ihr Leben als einen fort-dauernden und ernstlichen Dienst ihrer Religion erklären. —Dieselbe bietet die Lösung, soweit solche möglich ist, für dasgrofse Problem des Mittelalters, Unterordnung der Politikunter die Moral", welche unmittelbar aus der Unterordnungder Selbstsucht unter die socialen Gefühle folgt. Der Posi-tivismus betrachtet die Gröfsen der Christenheit als seineVorgänger, deren Glaubensvorstellungen er nicht einmal alsabsolut irrig — giebt es doch keine absolute Wahrheit —sondern als relativ richtig für ihre Zeit, aber kraftlos für dieGegenwart erklärt.
Gegenüber dem allumfassenden Ganzen unterschätzt derPositivismus nicht die Bedeutung der kleineren Kreise, indenen das Individuum steht. Wenige der radikalen Denkerder Gegenwart haben der Familie einen so hohen Wert fürdie sittliche Erziehung des Menschen zugeschrieben als Comte.Hören wir folgende Worte: „Der erste Keim socialen Ge-
1 Vergl. folgendes Wort Comtes: „Bei aller Anstrengung wird selbstdas längste, wohl angewendete Leben uns nicht instandsetzen, mehrals einen unmerklichen Teil dessen, was wir empfangen haben, zurück-zuzahlen".