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fühls liegt in der Liebe des Kindes zu den Eltern. Kindes-liebe ist der Ausgangspunkt der sittlichen Erziehung. Ausihr ergiebt sich das Gefühl des Zusammenhangs und damitdie Ehrfurcht vor den Vorfahren. Sie ist das erste Band,durch welches der neue Mensch sich an die gesamte Ver-gangenheit der Menschheit geknüpft fühlt. Geschwisterliebekommt sodann, indem sie das Gefühl der Solidarität und derEinheit mit den Zeitgenossen einpflanzt — so ergiebt sich be-reits eine Art von Aufsenlinie des socialen Daseins. Die
zweite Stufe sittlicher Erziehung beginnt mit der Gattenliebe,der wichtigsten von allen, in welcher Vollkommenheit derHingebung durch Gegenseitigkeit und Unauflöslichkeit desBandes gesichert ist. Sie ist das höchste Vorbild aller socialenGefühle und hat sich den Namen der „Liebe" angeeignet.Von dieser vollkommensten der Vereinigungen entspringt dieletzte Reihe der Familiengefühle: die Elternliebe. Sie voll-endet die Erziehung, durch welche die Natur uns für dieallgemeine Liebe vorbereitet. Sie lehrt uns für unsere Nach-folger zu sorgen und verknüpft uns so mit der Zukunft, wieuns die Kindesliebe mit der Vergangenheit verband" L
Wir haben in letzter Linie des Zukunftsbildes zu ge-denken, das die Positivisten von der reorganisierten Gesell-schaft entwerfen. Wir können uns hier sehr kurz fassen, dadie Einzelheiten der von Comte entworfenen Utopie vonseinen Anhängern nicht als mafsgebend angesehen werden.Nur wenige grofse Züge des Bildes stehen fest. Der Ausgangs-punkt ist der, dafs mit Ausbreitung und weiterer Entwicklungder positiven Wissenschaft auch die heute zerspaltenen An-sichten der Menschen von der Gesellschaft und der Stellungdes Einzelnen in ihr wieder an Übereinstimmung gewinnen