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schon heute als Eigentümlichkeit der gesellschaftlichen Neu-ordnung festzustehen.
Sobald die Einstimmigkeit erreicht und die positiveWissenschaft — Comte stellt sehr hohe Forderungen an dasvon allen zu erreichende Mafs — genügend verbreitet ist,wird die Macht der öffentlichen Meinung ungeheuer. VölligerAusschlufs aus der Gesellschaft wird das letzte Mittel sein,durch welches die öffentliche Meinung ihre Forderungen andie Sittlichkeit des Einzelnen durchsetzt — eine Strafe, dersich selbst der Mächtigste nicht wird entziehen können.
Das Organ der öffentlichen Meinung ist der „-spekulativeStand", welcher sich, sobald nur die Wissenschaftlichkeit auchfür die socialen Erscheinungen erreicht ist, von selbst ebensoabsondern wird, wie etwa heute der der Astronomen. Schonheute liegen, trotz der traurigen Verwirrung aller Ansichten,Ansätze hierzu in der Macht der Schriftsteller und Zeitungen.Hinter diesem „Mundstück der öffentlichen Meinung" stehenals ihre Träger einmal die Arbeiter, d. h. die Mehrzahl derMänner und sodann die Frauen. Sie alle sind an der Re-gierung unbeteiligt, welche in den Händen weniger — nachComte weniger, grofser Kapitalisten liegt. Aber gehobendurch eine allen gleiche Erziehung und vereinigt durch einegemeinsame Weltanschauung wird die öffentliche Meinungohne gewaltsame Mittel die „Unterordnung der Politik unterdie Moral" durchsetzen. Schon heute zeigt sich ein derartigerEinflufs der öffentlichen Meinung in internationalen wie Ar-beitsstreitigkeiten. Politische und wirtschaftliche Macht wirdalsdann nicht ein Recht, sondern ein Amt sein und der „Hin-gebung der Starken für die Schwachen" wird „Ehrfurcht derSchwachen für die Starken" entsprechen.