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von dem Zusammenhang der menschlichen Entwicklung, dafssie mit den ihnen vorausgehenden Richtungen als mit not-wendigen und heilsamen Stufen der Entwicklung sympathisieren,bedingt freilich nur mit den metaphysischen, als Mächteneiner notwendig gewordenen Zerstörung, unbedingt dagegenmit den Religionen der Vergangenheit, denen sie die bestenBesitztümer der Menschheit danken.
Wir betrachten die Wirkung der drei bezeichneten Rich-tungen auf die gesellschaftlichen Zustände der Gegenwart, umdas obige Urteil des Positivismus über dieselben zu verstehen.
I. Beziehentlich der theologischen Weltanschauung istfast nur hervorzuheben, dafs sie mehr und mehr ihre regelndeMacht über das Leben der Menschen verliert. Dies machtsich unter anderm in dem Schwächerwerden der Familienbandebemerkbar. Während die vorhergehenden Zeiten allmählichdie monogamische Ehe gegenüber den Eingriffen des unge-zügelten Geschlechtstriebes entwickelten und mit Heiligkeitumkleideten, so ist heute im westlichen Europa wieder eineLockerung des ehelichen Bandes eingetreten. Das Ideal dergeschlechtlichen Reinheit im aufserehelichen Leben, die Er-rungenschaft des Christentums gegenüber dem Heidentum,besteht heute selbst als Ideal für weite Kreise nicht mehr.In gleicher Weise findet sich die alte loyale Anhänglichkeitan den von Gott eingesetzten Herrscher nur noch in be-schränkten Teilen des westlichen Europas ; die sittliche Ord-nung, welche einst den ganzen Menschen zu beherrschen be-anspruchte, macht auf dem Gebiete des Staates und im Ver-kehr der Staaten unter einander immer offener der ungezügeltenInteressenpolitik Platz.
Das Christentum versuche heute noch in der letztenStunde, seinen Anspruch auf Beherrschung des menschlichenLebens durchzuführen; wir werden die ersten sein, die seine
v. Schulze-Ga evernitz, Zum soc. Frieden. II.
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