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2 (1890)
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Bemühungen mit Freuden anerkennen, sagen die Positivisten.Andererseits aber sind sie sicher, dafs ein Wiederauflehennicht zu erwarten, trotz der für das neunzehnte Jahrhundertso bezeichnenden reaktionären Richtungen. Die religiös reak-tionäre Richtung entspringt aus der gerechten Furcht, dafs dieVerflüchtigung und Subjektivierung der Religion auch mit einerSubjektivierung der sittlichen Anschauungen, auf denen dieGesellschaft beruht, enden müsse. Sie ist sodann ein Protestdagegen, dafs die geistliche Leitung der Nation nicht zuweltlichen Zwecken gehraucht und daher nicht unter die zeit-liche Macht gebeugt werden dürfe; daher die Bestrebungen,die Kirche von der Herrschaft des Staates zu befreien, wiesie sich z. B. unter den Anhängern Puseys und den weiter-gehenden Newmans fanden. So ist diese Richtung nichts alsder Ausdruck des religiösen Bedürfnisses der Gegenwart über-haupt. Dasselbe veranlafst vielfach die Besten, Ansichtenäufserlich zu verteidigen, gegen welche ihr Verstand sichempört, deswegen, weil sie ihnen unauflöslich mit der sitt-lichen und gesellschaftlichen Ordnung verknüpft erscheinen.Schrecklich ist dieser Aufruhr des Verstandes gegen dieForderungen des Herzens, welches ein unerträglicher Tyranngeworden ist. In den letzten Stunden dieses Kampfes habengar viele von uns gestanden" 1 . Ähnliches gilt von der poli-tischen Reaktion, welche sich von der alten Loyalität dadurchunterscheidet, dafs sie innerlich an die göttliche Einsetzungder Autoritäten nicht mehr glaubt, denen sie sich äufserlichunterordnet, weil sie ihr als das einzige Mittel erscheinen,um die schwankende Ordnung der sittlichen und gesellschaft-lichen Welt aufrecht zu erhalten.

Reeves

1 Five Discourses on positive Religion by J. H. Bridges. London, res & Turner, 1882.