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2 (1890)
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Das Auftreten der reaktionären Richtungen im neun-zehnten Jahrhundert ist nach Ansicht der Positivisten nichtsals ein Beweis dafür, wie sehr die Menschheit einer neuen,sittlich wie gesellschaftlich positiven Macht bedarf. Sie werden,meint Professor E. S. Beesley 1 , einst von der Nachwelt alsdas bezeichnendere Merkmal des neunzehnten Jahrhundertsangesehen werden, selbst als die Entwicklung der Demokratie,welche nichts als eine Fortsetzung der seit mehreren Jahr-hunderten vor sich gehenden Revolution ist.

II. Die metaphysische Denkweise ist heute viel ver-breiteter als die theologische. Sie schien bis vor kurzem dasGebiet der Politik vollständig zu beherrschen. Ihre eigent-lichen Träger sind die sogenannten Mittelklassen, d. h. diedurch Besitz ausgezeichneten Stände, welche im gröfsten Teildes westlichen Europas heute die Herrschaft ausüben odermit dem notwendigen Verfall der älteren Herrschaftsformenimmer mehr ausüben werden. Für sie besteht die heute vorsich gehende Umwälzung der Gesellschaft lediglich darin, sieselber an die Spitze zu bringen. Daher glauben sie, dafsdieselbe dort, wo dieses Ziel durch Einführung der Parlaments-herrschaft u. s. w. erreicht ist, nunmehr als beendet zu be-trachten sei. Sie verkennen, dafs die politische nur ein Vor-spiel der socialen Umwälzung ist.

Auch zeigt sich bereits der Verfall des bürgerlichen Kon-stitutionalismus, welcher nur eine Zwischenzeit auszufüllen be-rufen ist, darin, dafs er selbst von seinen Anhängern aufhört,geglaubt zu werden. Dieselben verteidigen zwar die Parlaments-herrschaft noch durch Hinweis auf metaphysische Abstraktionenwie Menschenrechte, Volkssouveränität u. s. w., innerlich aber

1 Positivism before the chürch congress. London, Reeves & Turner,1889.

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