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2 (1890)
Seite
53
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Wandlung der Zeiten: während früher die Radikalen ausRücksicht auf die Volkssouveränität Abschaffung der Kroneverlangten, so tritt hier dasselbe Verlangen auf gewisser-rnafsen aus monarchischen Gründen.

Die Angriffe der Positivisten auf das parlamentarischeSystem Englands nehmen Carlyles Kritik wieder auf. DerHauptvorwurf ist der: das Parlament thue thatsächlich über-haupt nichts, es verhalte sich allen konstruktiven Aufgabengegenüber regungslos. Als Grund wird einmal der bezeichnet,dafs alle Verhandlungen und Mafsnabmen innerhalb des Par-laments lediglich von dem Hintergedanken getragen seien,wer Herrscher sein solle, während es doch thatsächlich garnicht darauf ankomme, wer regiere, sondern allein, wieregiert werde. Hierzu aber kommt ein weiterer Grund derThatlosigkeit des Parlamentes: lediglich die Besitzenden ver-tretend, wolle es allein den Schein einer Volksregierung her-stellen, während die wirtschaftlich Starken die Schwachendann am besten ausbeuten könnten, wenn gar nicht regiertwerde.

Um die bezeichnete Täuschung zu erhalten, hätte manheute die demokratischen Verfassungsänderungen vorgenommen,insbesondere die Ausdehnung des Wahlrechts. Das einzigeZiel, das man hierbei verfolge, bestehe darin, bei aller Ver-mehrung der Wähler das Ergebnis unverändert zu erhalten.Zu diesem Zwecke aber diene gerade eine Ausdehnung biszu den untersten Schichten des Arbeiterstandes. Diese nämlichseien viel leichter zu beeinflussen als die denkenden und besser-gestellten Teile desselben, wie z. B. die Lazzaronis die besteStütze des Bourbonenregiments gebildet hätten 1 .

Trotz der bestehenden Plutokratie aber vollziehe sich

1 Vergl. Fortnightly Review. N. S. Bd. III, S. 381.