— 54 —
zwar langsam, aber unaufhaltsam der Übergang der Macht(transit of power) von den besitzenden, zumeist noch in dermetaphysischen Periode des Denkens befangenen Mittelklassenauf den Arbeiterstand, von welchem am ersten die Annahmeder positiven Denkweise zu erwarten sei. Trotz aller demo-kratischen Verfassungsänderungen sei freilich dieser Übergangzunächst mehr moralischer als thatsächlicher Natur. Es könneaber die Zeit nicht ausbleiben, da den neu zur Macht aufstei-genden Klassen der Charakter der parlamentarischen Klassen-herrschaft offenbar werde. Habe sie doch in Frankreich , wosie am unbeschränktesten sei, eine „reductio ad absurdum"erlebt. Dann werde wieder eine mehr persönliche Herrschafterrichtet werden, freilich keine despotische, sondern eine deröffentlichen Meinung unterworfene, nicht auf Grund göttlicherEinsetzung, sondern auf Grund ihrer socialen Brauchbarkeit.Bewiesen doch schon heute die Arbeiter in ihren VereinenSinn für persönliche Autorität und die Einsicht von der Un-möglichkeit einer Regierung durch Mehrheiten. Das Parlamentaber werde alsdann die nützliche Aufgabe versehen, dem per-sönlichen Regiment Schranken zu ziehen; es werde dann mitNutzen „nein sagen", während es heute zum Schaden derGesellschaft bereits nichts anderes thue. Was man heute vomkonstitutionellen Monarchen sage, werde in der republika-nischen Staatsform der Zukunft von dem Parlamente gelten,dafs es „der Herrscher, aber nicht der Regierer" sei.
Wenn die Kritik des parlamentarischen Systems uns bereitseinen Blick auf die von den Positivisten erwartete Zukunfts-entwicklung zu werfen veranlafste, so müssen wir auf diegegenwärtig bestehende Herrschaft der Mittelklassen zurück-kehren. Dieselbe hat heute eine neuere Form angenommen,welche ihren Geist noch besser zum Ausdruck bringt: den„Imperialismus" mit seiner militärischen Konzentration, seiner