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2 (1890)
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lediglich auf Gewalt gegründeten Zusammenfassung grofser,fälschlicherweise als Nationen bezeichneter Bevölkerungsmassen.Diese Form der Regierung herrscht heute auf dem Festlande;auch in England hat sie in der Partei der sogenannten Im-perialisten, aber nicht nur unter ihnen, zahlreiche Anhänger.

Dieses System bildet scheinbar einen Rückfall in ver-gangene Stufen der menschlichen Entwicklung, da die Be-schäftigung des Mannes der Krieg war grofse und nütz-liche Zeiten: war doch der Krieg nach Ansicht des Positivismuseiner der wichtigsten Erzieher des Menschen, welcher ihmSelbstverleugnung, Aufopferung zu Gunsten eines Ganzen undUnterordnung unter Herrscher gelehrt hat. Aber der heutigeMilitarismus hat mit dem älteren nur den äufseren Scheingemein. Die Mittelklassen des westlichen Europa glaubennämlich nicht mehr an die auf göttlicher Einsetzung beruhendeAutorität des kriegerischen Stammesoberhauptes oder Königs.Wenn sie die militärische Form annahmen, wenn sie dasihnen schwerfallende Opfer brachten, auf Herstellung derParlamentsherrschaft zeitweilig zu verzichten zu Gunsten per-sönlichen Regimentes, so lag der Grund in ihrer Selbstucht,ihrer Habgier und gegenseitigen Eifersucht. Aus diesemGrunde schlössen sie den innerlich unwahren Kompromifs mitden Resten der alten königlichen Gewalt. Um sich gegen-seitig zu berauben, ballten sie sich zu jenen kriegerischenGrofsstaaten zusammen, welche, wie Harrison sagt,nur ineiner Atmosphäre von Krieg leben können, unvermeidlich zuZwang, Unterdrückung und Klassenherrschaft führen, unver-träglich mit Fortschritt und Frieden, mit den Interessen desVolkes und einer guten Regierung sind" E

Dreierlei ist für diese militaristischen Grofsstaaten der

1 The centenary of the revolution S. 9. Ileeves & Turner. 1889.