— 57 —
Positivisten die besitzenden Klassen in der Form militärischorganisierter Grofsstaaten gegen die unteren in ihrer Heimatvor. Ja die erwachende Furcht vor dem „Umschwünge derMacht", den sie selbst durch Demokratisierung der Ver-fassung vorbereitet hätten, sei ein neuer Grund für sie, diemilitärische Organisation festzuhalten, durch welche sie ihreHerrschaft zu verteidigen hofften. Ganz besonders in dasAuge fallen nach Harrison die Schattenseiten des herrschen-den Systems in Frankreich , welches in seinen heutigen Leidenund Zuckungen vorbildlich sei für das, was ganz Europa durchmache oder noch durchzumachen habe. Im Innern einedurchaus unfähige Parlamentsherrschaft, welche die leitendenPlätze in die Hände von Börsenspekulanten und Schwindlerngegeben hätte, nach aufsen militärische Organisation undkoloniale Ausbeutung. Auch würden die besitzenden Klassennicht Bedenken tragen, die Militärgewalt gegen die Abeiterrzu wenden, um das bestehende System der Unterdrückungaufrecht zu erhalten 1 .
„Die revolutionäre Krisis", sagt F. Harrison, der wich-tigste politische Schriftsteller der englischen Positivisten, sein
1 Ist es gestattet, an diesem Orte ausnahmsweise ein Wort derKritik einzuschalten, so möchte ich darauf hinweisen, dafs die militärischeOrganisation der europäischen Grofsstaaten gewifs zum guten Teil demDrucke zuzuschreiben ist, den der Osten auf den Westen Europas aus-übt. Der Osten, in positivistischer Sprechweise, steht auf der theologischenStufe, ist seiner Natur nach kriegerisch und würde den Westen über-schwemmen, die Geschichte um Jahrhunderte zurückstellen, falls derWesten seine militärische Organisation aufgäbe. Der Fehler der positi-vistischen Kritik scheint darin zu liegen, dafs sie den Westen Europas alseine für sich geschlossene Welt betrachtet, während Comte auf dasschärfste betonte, dafs bei socialen Problemen die Methode, die vom„ensemhle" ausgehe, allein anwendbar sei. Dies heifst in vorliegenderFrage mindestens die ganze europäische und einen guten Teil der asia-tischen Welt in Betracht ziehen.