— 61 —
war dies ein Citat aus Comte, ja geradezu ohne die posi-tivistische Terminologie unverständlich. Mit der Errichtungder Pariser Kommune schien das Ideal der Positivisten, eineZerspaltung Europas in viele Föderativrepubliken, den erstenSchritt zur Verwirklichung gethan zu haben — eine Zerspal-tung, die deswegen notwendig sei, weil nur bei einer gleich-artigen, auf derselben Entwicklungsstufe des Denkens stehen-den Bevölkerung Unterdrückung des einen Teiles durch denandern vermeidbar sei. Auch hätte die Kommune die Not-wendigkeit eines persönlichen Regimentes anerkannt. Es istselbstverständlich, dafs die Positivisten die zur Zeit derKommune verübten Zerstörungen den Gegnern derselben zu-schreiben. Dagegen trug auch nach Ansicht der Positivistendie Pariser Kommune, d. h. Gemeinde einen schweren Fehleran sich, welcher zeigt, dafs der Pariser Arbeiter zu dem posi-tivistischen Gesellschaftszustande noch nicht reif war: sie neigtekommunistischen Lehren zu, d. h. sie suchte durch politischeMafsregeln zu verwirklichen, was durch moralische Entwick-lung herbeizuführen sei.
Wir berühren hiermit die Stellungnahme der Positivistenzu den kommunistischen und socialistischen Parteien derGegenwart. Ihre Ausbreitung unter den Arbeitern, welchebei weitem ihr Ende noch nicht erreicht habe, ist in denAugen der Positivisten die wichtigste Erscheinung in derpolitischen Geschichte unserer Zeit.
Die Revolution, welche seit etwa einem JahrhundertEuropa umgestaltet, zerfällt nach Ansicht der Positivisten inzwei Teile. Die politische, welche heute noch nicht ihr Endeerreicht hat, war von den Mittelklassen getragen, welche siezur Macht emporhob; ihr Ideal waren politische Rechte, ihreDenkweise metaphysisch, ihr Ausgangspunkt ein abstraktes,nirgends in Wirklichkeit vorhandenes Individuum. Der zweite