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2 (1890)
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sei eine politische, genau wie ihre Vorgänger bereits durchpolitische Mittel die Gesellschaft neu ordnen zu können ge-meint hatten. Das Mittel, durch welches sie die richtige An-wendung des Kapitals herbeizuführen hofften, sei lediglich einWechsel in der Person seines Besitzers. Auch die Socialisteuböten im Grunde keine andere Lösung; der einzige Unter-schied sei der, dafs sie die Undurchführbarkeit der kommu-nistischen Vorschläge einsehend mehr die kritische Seite, d. h.die Angriffe auf das bestehende System in den Vordergrundstellten. Angenommen sie gelangten irgendwo vorübergehendzu Macht, so würden ihre positiven Versuche auf mehr oderminder kommunistische Mafsregeln hinauslaufen.

Diese von der Mehrzahl des heutigen Arbeiterstandes be-fürwortete Lösung der socialen Frage aber sei unwissenschaft-lich. Sie verkenne das Wesen der menschlichen Gesellschaftund die Gesetze, unter welchen dieselbe stehe, und führedaher nicht zu dem beabsichtigten Ziele. Ihre Befürworterbewiesen, dafs sie im wesentlichen noch auf derselben Stufedes Denkens stünden, wie die von ihnen bekämpften Gegner.

Indem die menschliche Gesellschaft dem Auge der posi-tiven Wissenschaft sieh als ein Organismus darstellt, nichtals ein willkürlich gemachter Mechanismus, unterfällt sie demfür Organismen überhaupt geltenden Gesetze der Kontinuität.Jede grofse Veränderung mufs aus der vorhergehenden hervor-wachsen, während durch den Versuch einer plötzlichen undwillkürlichen Veränderung nur die äufsere Anordnung ge-troffen, im besten Fall wenig erreicht, möglicherweise aberdie Entwicklung zurückgehalten und vieles zerstört werdenkann. Die Veränderungen in einem Organismus nämlichgehen vor sich durch Umgestaltung der ihn zusammensetzendenorganischen Einheiten; dieses Gesetz gilt schon für die Physio-logie, in weit höherem Mafse aber für die Sociologie und bildet,