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2 (1890)
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wie Herbert Spencer nachweist, den Hauptunterschied zwischenorganischer und anorganischer Entwicklung. In der Sprachedes gewöhnlichen Lehens ausgedrückt aber heilst dies nichtsanderes, als dafs die sociale Entwicklung nicht von politischen,sondern von moralischen Veränderungen abhängt, dafs dahergegenüber jener Hauptaufgabe der Gegenwart, Anwendungdes individuellen Besitzes zum allgemeinen Besten, auch nichtpolitische, sondern vielmehr moralische Schranken der Selbst-sucht des Individuums auferlegt werden müssen.Diejenigen,welche sich solchen unterwerfen", sagt Comte,werden esmit ihrem freien Willen unter dem Eiuflufs der Erziehungthun. Ihr Gehorsam, einerseits sicher geleistet, wird doch,wie schon Aristoteles bemerkt, das Verdienst der Freiwillig-keit besitzen. Indem wir das private Eigentum in eine öffent-liche Funktion verwandeln, unterwerfen wir es keinem tyran-nischen. Eingriff, welcher im höchsten Grade entsittlichendauf den menschlichen Charakter wirken würde" L

Indem die Kommunisten und Socialisten die Lösung derAufgabe durch politische Mittel anstreben, können sie an sichauch der Anwendung von Gewalt nicht unter allen Umständenabgeneigt sein. So weit sie friedliche Mittel befürworten,thun sie dies aus praktischen Gründen und für den Augen-blick. Die bestehende Ordnung scheint ihnen zu stark unddaher jeder gewaltsame Angriff auf dieselbe aussichtslos. Aberda sie lediglich politische Mittel zur Anwendung bringenwollen, ist hierzu nur erforderlich, dafs sie die politische Machtin die Hand bekommen, dagegen ganz gleichgültig, wie dieseMacht errungen ist, ob durch friedliche oder gewaltsame Mittel.Daher werden sie, wenn ihnen die Anwendung von Gewaltaussichtsvoll erscheint, nicht zaudern, zu derselben zu greifen.

1 Vergl. a. a. 0. S. 174.